»Na, Baronchen, amüsieren Sie sich?«
»Danke, ausgezeichnet!«
»Um so besser!« ... Ein heiseres Lachen folgte: »Et quant à moi, ma chérie ... unberufen – ein Festschießen! Aujourd'hui j'ai une veine comme un ...«
Ein einziger an dem runden Tische belachte die zynische Bemerkung: der dicke Herr David, den der Hausherr vorhin als gewerbsmäßigen Spieler bezeichnet hatte. Die anderen blickten nicht einmal auf, griffen mit gespannten Gesichtern nach ihren Karten. Frau Josepha aber zog die Augenbrauen zusammen. Sie seufzte leicht auf und wies auf einen breiten Klubsessel.
»Da bitt schön! Und wollen's was zum Trinken haben? Nicht ... na denn ...« Sie setzte sich ebenfalls, kreuzte die kleinen Füße in den Atlasschuhen und legte die weißschimmernden Arme auf das dunkelrote Leder der Seitenlehnen. Kein Schmuck störte die prachtvoll verlaufende Linie bis zu dem feinen Handgelenk, nur an den schlanken Fingern funkelten ein paar Ringe.
»Alsdann ... ich hatte versprochen, ich würd' Ihnen sagen, was Sie gedacht haben, eh' daß wir eingestiegen sind. Sie haben gedacht: 'Hat die Frau einen Größenwahn! Bildet sich ein, alles auf dieser Welt dreht sich um sie.' Stimmt das?«
»So ähnlich!«
»Na, sehen Sie! Und jetzt will ich Ihnen erklären, wieso ich mir das einbild'. Nämlich erstens denkt jede Frau so, die ein bisserl hübsch ist, und zweitens, bei mir ist das immer so gewesen, in der Welt, die um mich 'rum war. Schon als Kind ... Mein Vater betete mich an, jede Ungezogenheit von mir war ein geistvolles Aperçu, und ich ... als siebenjähriges Mädel hab ich schon drauf gespitzt, ob die Leute auf der Gassen sich nach mir umschauten! Und später beim Theater – wie ich dahin gekommen bin, ist eine Geschichte für sich – ja, Sie dürfen's wirklich glauben, ganz Wien war in mich närrisch! Jeden Tag Blumen und Geschenke von ganz unbekannten Menschen, und alle Wochen fast ein Heiratsantrag. Wissen's, die Leuteln da unten sind leichter beweglich als hier oben ... also schließlich auch ein – na, sagen wir mal, ein sehr ein hochstehender junger Herr. Ein Bürscherl noch, aber ein sehr hochgeborenes. Ich lacht' ihn aus, aber er kam wieder, wollt' auf all' seine Titel verzichten, wenn ich nur Ja sagen würd' ... Ein paar Tage drauf teilt mir mein Direktor mit, er könnt' meinen Kontrakt nicht verlängern. Aha, sagt' ich, und ich weiß schon, weshalb. Z'wegen höhere Rücksichten! ... Und da wär' ich beinahe tück'sch geworden, hätt' den Herrn Verwandten von dem hochgeborenen Bürscherl doch noch den Streich gespielt! Aber ich besann mich, ich hatt' ein Beispiel vor Augen, auch von so einer morganatischen Ehe ... also nach Berlin. Geheult hab' ich ... in Wien taten die Herren Rezensenten Feuilletons über mich schreiben, hier erwischt' ich bei der fünfzigsten Aufführung ein Notizerl von zwei Zeilen. Da kam mein Mann. Das heißt, er wurd's erst später ... Herr Fritz Rheinthaler. Zuerst lud er mich mit einem prachtvollen Ring aus Brillanten und Smaragden ein, ich möchte bei dem nächsten seiner 'berühmten Herrenabende' mitwirken. Als ich ihm den Ring zurückschickte, kam er persönlich. Ich ließ ihn nicht vor ... er kam aber jeden Tag wieder ... drei Wochen danach hatte ich eingewilligt, seine Frau zu werden. Eigentlich wegen einem guten Witz. Er hatte mir nämlich geschrieben, er selbst wär' häßlich. Aber er hätte das schönste Haus in Berlin, die schönsten Autos und Pferde, nur die schönste Frau tät' ihm noch fehlen ... Da mußt' ich lachen ...«
Frau Josepha machte eine kleine Pause, strich sich über die Stirn und sah nachdenklich auf ihre Fußspitzen.
»Ja, so hab' ich ihn halt genommen. Auch weil er mir ein bisserl leid tat ... Na, und jetzt –« Sie blickte wieder auf – »jetzt ist die Reih' an Ihnen. Aber hübsch ausführlich, bitt' ich mir aus!«