»Aber, bitte, das macht doch nichts! Fahren Sie mit Ihrer Frau Gemahlin nur ruhig nach Hause, Rheinthaler. Ich bummel' inzwischen mit dem Herrn Rechtsanwalt weiter! Und wir beide werden schließlich auch nach der Ackerstraße hinfinden, nicht wahr, Doktorchen?« Sie hakte sich in den Arm eines schwarzbärtigen Herrn, der ebenfalls in der Loge gesessen hatte, und sah ihn mit kokettem Augenaufschlag an.
Herrn Rheinthaler stieg das Blut zu Kopfe.
»Also, Josepha, jetzt sei vernünftig! Ich kann Dich doch nicht allein fahren lassen, und was liegt schon an der einen Stunde?«
»Gar nichts liegt daran, da hast Du recht. Aber laß Dich durch mich nicht stören! Mein Auto steht unten, ich fahre nach Hause!«
Fräulein Sandori lachte kurz auf mit ihrer blechernen Stimme.
»Stellen Sie Ihre Frau Gemahlin doch unter den Schutz der bewaffneten Macht, Herr Rheinthaler! Und haben Sie 'ne lange Leitung! Darauf geht doch die ganze Reise, daß die beiden da uns versetzen wollen!«
Frau Josepha hob den Saum ihres Kleides und trat mit zornsprühenden Augen einen Schritt auf die andere zu.
»Sie! Daß i mi net vergeß'! Aber die Ehr' tu ich Ihnen nicht an, daß ich Ihnen darauf was antwort'. Ich tät' mich ja erniedrigen, wenn ich mich mit Ihnen auf eine Stuf' stellen wollt'!«
In den Nachbarlogen war man aufmerksam geworden, reckte die Köpfe. Das Mädel, das vorhin in der Loge auf Josephas Stuhl gesessen hatte, kam vorbei und blieb lachend stehen.
»Immer feste, meine Damen! Nur nich lang gefackelt – mit 'ne Sektpulle über'n Kopp, det schafft am besten.«