»Det klingt ja so französ'sch!«

»Is et ooch! Aus 'ne alte französische Refugiehfamilje!«

Der Beamte der Straßenreinigung schüttelte bedenklich den Kopf.

»Und denn in preuß'schen Jeneralstab? Wo er an alle Jeheimnisse 'ran kann und so?«

Der alte Herr brauste zornig auf.

»Se werden sich Unannehmlichkeiten zuziehn, vastehn Se? Und haben Sie 'ne Ahnung! Mein Hauptmann Anno Siebzig hieß Baron de Saint-Villiers! Ooch 'n französischer Name, aber er jing druff wie Blücher!«

Hauptmann von Foucar stand wartend an der Litfaßsäule, las mechanisch die bunten Zettel, die das Vergnügungsprogramm der Reichshauptstadt enthielten, für Leute, die Zeit hatten. Und unwillkürlich mußte er denken, fast fünf Jahre lebte er nun schon in Berlin, mit einer einzigen kurzen Unterbrechung, und von alledem, was sich da anpries, kannte er herzlich wenig. Früher, auf der Akademie, war er doch noch ab und zu einmal ins Theater gekommen, jetzt aber, seit er zum Großen Generalstabe kommandiert war, schluckte einen der Dienst mit Haut und Haaren auf. Ein bißchen einseitig wurde man dabei und vielleicht auch reichlich weltfremd, aber das war nicht zu ändern.

Hinter ihm erklang das Rasseln eines Säbels, ein sporenklirrender Tritt. Er wandte sich um, statt des erwarteten Kameraden kam sein Abteilungschef gegangen. Ein hochgewachsener, hagerer Herr mit einem bartlosen Gelehrtengesicht, dem ein paar scharfblickende Augen unter buschigen Brauen einen Zug stählerner Energie verliehen.

Oberst Wegener hob zwei Finger der Rechten in die Höhe des Mützenschirmes.

»Na, lieber Hauptmann, studieren Sie, in welches Theater Sie gehen wollen?« Die breite Aussprache einzelner Vokale verriet den geborenen Ostpreußen.