Die Wagenbremsen zogen kreischend an, es gab einen Ruck, und der Zug hielt wieder einmal an einer der zahlreichen kleinen Stationen. Neben dem rotbemützten Stationsvorsteher stand ein dicker kleiner Herr in weißem Staubmantel, das volle Gesicht schier rostrot verbrannt, und mit bläulich schimmernder Nase unter weinfrohen Aeugelein.
Der alte Herr öffnete die Coupétür und winkte lebhaft mit der Hand.
»Tag, Lindemann! Erwarten Sie wen?«
Der Dicke blickte überrascht auf und setzte sich in der Richtung des Wagens erster Klasse in Bewegung.
»Tag, Herr von Gorski! Das ist ja 'ne Riesenfreude, daß Sie wieder zuwege sind! Und ob ich wen erwarte? Dieses nu weniger, ich wollt' bloß mal ein bißchen Großstadtluft schnappen. Da bin ich nach der Station gefahren, in dem Aberglauben, der Zug bringt 'was davon aus Königsberg mit. In meinem Dachsbau ist's jetzt, kurz vor der Ernte, zum Auswachsen langweilig!«
»Sie sollten heiraten,« sagte Annemarie und zeigte lachend die weißen Zähne. »Ich wüßte Ihnen eine, da würden Sie sich in Ihrem Ritterschloß keine Minute mehr langweilen!«
Der Dicke kniff listig das linke Aeuglein ein.
»Nachtigall, ich hör' Dir trapsen! Na dann grüßen Sie man das gnädige Fräulein in Marczinowen recht schön, und ich hätt' noch nich genug gesündigt, um so hart gestraft zu werden!« Er schüttelte sich in komischem Entsetzen und wandte sich zu Annemaries Vater.
»Aber es ist mir lieb, daß ich Sie treffe, mein verehrter Herr von Gorski. Ich wollte als Ihr Stellvertreter schon eine Sitzung des Parteivorstandes einberufen. Dazu müssen wir unbedingt Stellung nehmen.«
»Was' denn passiert?«