»Der Heidereuter in Sucholasken will verkaufen. An einen Polen.«
Dem alten Herrn stieg die Zornröte ins Gesicht.
»Schwerenot noch mal! Schämt der Mensch sich nicht in den Grund seiner Seele hinein?«
Herr von Lindemann zuckte mit den Achseln.
»Ich habe ihm zugeredet wie 'nem kranken Schimmel – alles umsonst! Er sitzt in Schulden bis an den Hals. Der Besitzer der letzten Hypothek schnürt ihm die Gurgel zu – auch natürlich auf Betreiben der Polen! Das Hemd ist ihm näher als der Rock, sagt er, und das polnische Angebot gibt ihm wenigstens die Möglichkeit, irgendwo mit einer kleinen Pachtung wieder von vorn anzufangen. Bei 'ner Subhastation müßte er mit 'nem Prachersack 'rausgehen und einem weißen Stock in der Hand. Ich wollte ihm zum Abschied 'ne rechte Niederträchtigkeit sagen, aber ich kriegte sie nicht über die Lippen. Der Mann hat 'ne kranke Frau und sechs Kinder.«
Herr von Gorski zog die buschigen Augenbrauen zusammen.
»Das ist in zwei Jahren hier in unserem engeren Kreise schon das zehnte Gut, das aus deutschen Händen in polnische übergeht. Soviel Geld haben wir nicht, um dieser andringenden Flut standzuhalten!«
Der Stationsvorsteher hob die Hand, das Zeichen zur Abfahrt zu geben, aber Herr von Lindemann winkte ihm energisch ab. Er hatte den dritten Mitreisenden im Wagen erspäht, der zu Beginn der Unterhaltung diskret auf die andere Seite getreten war. Dem Stationsvorsteher rief er zu: »Lassen Sie die alte Lokomotive man ruhig sich noch ein Weilchen verpusten! Wird ihr nichts schaden bei der Hitze, und ich bin hier noch nicht fertig!« Und, wieder zu dem Wagen gewandt, fuhr er lebhaft fort: »Herr von Foucar! Wie in drei Deuwels Namen kommen Sie hierher? Nach unserem geliebten Ostpreußen, wo es am tiefsten ist?«
Der Angeredete machte ein befremdetes Gesicht.
»Verzeihung, ich erinnere mich im Augenblick wirklich nicht ...«