»Natürlich wird er da sein. Du hast ihm doch sicherlich geschrieben, wann wir ankommen. Er ist überhaupt immer da.«
»Bitte sehr, diesmal habe ihm nicht geschrieben!«
»Er wird doch da sein!« sagte sie hartnäckig und legte sich abweisend in die Wagenpolster zurück. Gaston aber merkte die Absicht des alten Herrn und griff nach einer der schon längst gelesenen Zeitungen. Eigentlich war es ja schon deutlich genug gewesen, daß Herr von Gorski die Jagdeinladung der Tochter nicht bestätigt hatte. Und dieser Hermann, der auf der Station warten würde, war ein Wink für ihn: »Gib Dich nicht unnützen Hoffnungen hin.« Der Wink war überflüssig. Wer sich selbst eine Kette um den Fuß gelegt hatte, durfte seine Augen nicht aufheben zu einem stolzen und freien Herrenkind.
Annemarie hatte ein paar Minuten schweigend gesessen, jetzt schob sie in leichtem Trotz die Unterlippe vor.
»Ach, entschuldigen Sie, Herr Rittmeister ...«
»Bitte sehr, mein gnädiges Fräulein.«
»Sie müssen so freundlich sein, mir noch einmal recht deutlich Ihren Namen zu sagen. Vorhin, als Herr von Lindemann vorstellte ...«
»Aber mit Vergnügen! Gaston Baron Foucar von Kerdesac!«
Annemarie blickte überrascht auf: »Aber das ist ja ein rein französischer Name!«
»Zu dienen! Mein – einen Augenblick, ich muß nur nachrechnen – ja, also, mein Ururgroßvater kam als achtjähriger Knabe nach Deutschland. Seine Eltern waren auf die Guillotine geschleppt worden, ihm gelang es, als die Schergen des Konvents das Schloß durchsuchten, sich zu verstecken. In einer Regentonne. Dann wanderte er nach Osten, bis er an andere Flüchtlinge Anschluß fand. Mit zweiundzwanzig Jahren focht er unter Blücher gegen Napoleon.«