»Wird's schon stimmen. Die Leutchen engagieren sich leider zu oft über ihre Verhältnisse. Und dann die verfluchten Karten! Na, wie ist es, wollen wir uns nicht auch gegenseitig das Geld abnehmen? In einem soliden Halbenpfennigskat? So solid, daß jeder der Teilnehmenden zum Schluß eine Kleinigkeit gewinnt?«

Der ältere Gorski legte unwillig die in einen Rahmen gespannte Zeitung auf den Tisch.

»Mensch, gewöhn' es Dir bloß ab, an alles einen Witz 'ranzuhängen! Das da hier geht einem doch nah! Da werden die Zeitungen einer gewissen Sorte wieder drauf rumtrampeln und kränkende Schlußfolgerungen für den ganzen Stand ziehen! Scheußlich ist das ...«

»Sehr richtig, Herr Majoratserbe,« sagte der Jüngere mit ernsthaftem Gesicht, während er zugleich dabei in komischer Weise die großen Ohren bewegte. »Sie werden trampeln! Aber bin ich daran schuld? Soll ich meines Bruders Hüter sein?« Und zu dem Langen gewandt, fuhr er fort: »Uebrigens was ist das mit Dir, Herr von und zu Brinckenwurff? Heute ist doch das Jöhr fällig, die Annemarie mit ihrem Vater? Da bist Du nicht zum Empfang an die Eisenbahn gefahren?«

Der Lange errötete heftig. »Erstens wußte ich's nicht genau, und zweitens, ich mußte in die Stadt. Den Ingenieur sprechen, der meine Torflager verwerten will.«

»Mensch, sei ehrlich, wenn es Dir auch schwer fällt! Ihr habt Euch brieflich verknaxt! Oder hat sie vielleicht das Geheimnis der jungen Mamsell spitz gekriegt? Die auf Befehl Deiner Frau Mama plötzlich ihr Köfferchen packen mußte? Angeblich wegen eines ungehörigen Techtelmechtels mit Eurem zweiten Inspektor?«

»Das ist ein törichtes Gerede ... absolut nichts dran! Der Inspektor übernimmt zum Herbst da irgendwo weit hinten im Litauischen eine kleine Pachtung. Dann heiratet er die Mamsell.«

Karl von Gorski steckte sich lächelnd eine Zigarette an.

»Weit hinten im Litauischen? Mein Kompliment an Deine verehrte Frau Mama – sie ist eine sehr kluge Dame! Und wenn Du mir nun noch erklären wolltest, weshalb Du bei meiner harmlosen Frage vorhin rot geworden bist wie ein beim Mogeln erwischter Sextaner?«

»Das hat bloß so ausgesehen! Aber ich möchte bemerken: Was geht's Dich an, wie ich mit Annemarie stehe? Bist Du vielleicht ihr Vormund?«