Kriege haben nur zwischen Rassen Sinn. Kriege zwischen „Begriffen“ sind sinnlos. Verständlich sind auch Sprachen- und Religionskämpfe, aber auch sie sind nicht so tief organisch begründet wie Rassenkämpfe, Rassenverfolgungen, Rassenkriege.
VOM ARISTOKRATISCHEN
W
Was ist das Aristokratische? Eine gewisse Leichtigkeit einerseits, eine gewisse Gewichtigkeit anderseits. Nicht mehr. Äußerlich wohl auch ein sozusagen charakteristisches Gepräge, ein unverkennbarer Habitus. (Aristokratische Maler: Van Dyck, Lawrence.)
Das Aristokratische an einer Frau ist eine schamhafte Freiheit. Grobsinnige Beurteiler wollen es auf gewisse exzentrische Manieren reduziert wissen, die jede Kokotte aufbringt. Man verwechselt da wieder einmal die Frechheit mit der Freiheit. Auch nicht wie man ißt, geht, sitzt, reitet, spricht, sich kleidet usw., nicht eine Summe, sondern das in sich selbst geschlossene runde Ganze ist das Wesentliche. „Aristokratie des Geistes“ sei hier energisch beiseite geschoben. Dieses von „Opponenten“ aufgebrachte liebliche Schlagwort verbreitet einen ranzigen Vernunftgeruch. Liberalismus und Doktrinarismus überhaupt haben in diesem Gebiet der Musik aber auch gar nichts zu schaffen. Das Aristokratische ist eine Tonart, kein Programm.
Aristokraten sind komisch, wenn sie sich ernsthaft geben, und können vor dem Ehrfurchteinflößenden eine frivole Auflehnung gegen das wider Willen Imponierende sich nicht versagen. Sie haben eine Anzahl niemals einer Überprüfung unterzogener Vorurteile, denen gegenüber sie von Zeit zu Zeit eine feierliche rituelle, geradezu hieratische Haltung einnehmen, worauf sie allsogleich, ohne jeden Übergang, in ihren natürlichen leichtfertigen Lebensrhythmus sich zurückfallen lassen. Dieser Rhythmus, in dem sich ihre wohlgebildeten Erscheinungen so fabelhaft zu Hause fühlen, ist das unbeschreiblich Schöne an ihnen. Es ist sicherlich Kultur. Aber man darf, unwiderstehlich angezogen von dieser erlauchten Taktmäßigkeit, nicht übersehen, daß die Kultur der Aristokraten keinerlei geistige Errungenschaften, kaum dumpfe seelische Werte enthält. Ihre Erziehung ist bei aller dem Bürger fremden Freiheit im Lebensstil eine sogar mit Worten (aus Mangel) haushälterische Schablone. Ihre Kinder verlieren die andachteinflößende reine Kindlichkeit früher als die Kinder mancher in Traditionen anmutiger Wohlhabenheit aufgewachsener Bürgerfamilien. Sie sind allzubald dem kindlich unbefangenen Leben und Erleben entfremdet, indem der im Blut sitzende Achtung einflößende Stil der Erwachsenen sie bei der schönen freien großzügigen Familiengemeinschaft, so wie sie nur zu beobachten anfangen, ohne auf Widerstände zu treffen, überzeugt.