»Acca!«
»Es wird meine Eltern sehr bekümmern, aber ich kann ihnen nicht helfen.«
Noch einmal versicherte Tullus: »Was fällt dir ein? Ich bleibe hier.«
Ihren leuchtenden Blick von seinem bleichen Gesicht nicht abwendend, lächelte sie ihn an, ohne ein Wort zu sagen; da stürzten ihm die Tränen aus den Augen, laut schluchzte er auf.
»Ich weiß ja auch nicht, was es ist,« stammelte er; »aber ich sehne mich so — ach, Acca, Acca, wie ich mich sehne!«
Sie umschlang ihn mit beiden Armen, drückte sein Haupt an ihre Brust und flüsterte ihm zu: »Wo du bist, muß ich sein. Kannst du dir denken, daß es anders geschehen könnte?«
Er konnte es sich nicht denken; so gestand er ihr denn alles und sie tröstete ihn. Daran küßten sie sich, unschuldig wie Kinder, die sich gezankt haben und sich wieder versöhnen.
Heilige Frühe wehte um die Stirnen der beiden Flüchtlinge. Die ganze Nacht waren sie mit günstigem Winde gesegelt und trieben nun beim aufglühenden Tageslicht der Küste zu, deren Herrlichkeiten bereits dicht vor ihren Augen lagen. Voller Entzücken sah Tullus die Menge der Paläste, der Basiliken, Thermen und Amphitheater; er sah den Strand, so weit seine Blicke schweiften, besetzt mit Landhäusern, Portiken und Heiligtümern.
Acca schaute nicht vorwärts, sondern zurück, wo an dem lichten Horizont ein Wölklein zu schwimmen schien: die verlassene Heimat. Doch so oft Tullus mit einem Ausbruch des Jubels sich nach ihr umwendete, bog sie hastig das Köpfchen und teilte sein Staunen über alles, was er erblickte.
»Das ist die Welt, Acca! Sieh, wie groß, wie schön! Hier sind die Götter, die sie leugnen wollen.«