Wenn Nero schwelgte, stiegen die Himmlischen selber von ihren seligen Höhen hernieder, um die Freuden ihres Brudergottes zu teilen, die göttlicher waren als die ihren; wo Nero wandelte, erblühten Blumen, sangen Vögel, freuten sich Menschen und Götter; wo Nero weilte, verwandelte sich die Welt in den Olymp, Rom ins Elysium. Nur die Römer blieben, was sie seit den Zeiten des großen Augustus geworden waren: ein Volk von Knechten, Speichelleckern, Kreaturen und hündischen Kriechern.
Heute nun wollte der Gott mit seinen Geschöpfen sich auf menschliche Weise ergötzen.
Rings um den Palast, die Tiefen zwischen vier Hügeln füllend, erstreckten sich weite Fluren mit umfangreichen Seen, köstliche Haine, welche die Tiere der Wildnis bewohnten. Durch dieses wundersame Gefilde sollte heute nacht des Cäsars Weg führen, wenn er sich von seinem Hause zum Zirkus begab. Denn hier ließ der Kaiser dem römischen Volke olympische Spiele veranstalten, bei denen er seinen Römern als Apollon-Helios erscheinen wollte, ein Sechsgespann weißer Rosse lenkend.
Den Weg vom Kaiserpalast bis zur Arena sollten diese Nacht Fackeln erhellen, wie sie noch keinem Unsterblichen geleuchtet hatten.
Schon früh am Tage begannen die Vorbereitungen, zu welchen die Römer sich drängten, denen sie voll Entzücken zuschauten. Aus den Kerkern und Grüften des Coelius wurden die Christen herbeigetrieben: sie, welche, den ewigen Göttern zum Hohn, Rom in Brand gesteckt hatten — denn so wollte Gott Nero, daß es geschehen sei — sie sollten den ewigen Göttern zum Ruhm in Flammen auflodern. In Scharen brachte man sie herbei: Greis und Jüngling, Matrone und Jungfrau, Mann und Kind. Das römische Volk heulte auf vor Mordgier. Und es würde diese unersättliche, nach Blut lechzende Menge, welcher Todesschreie und Sterberöcheln Musik war, entzückt haben, wenn ihr »göttlicher« Kaiser seine Römer die wilden Tiere hätte sein lassen, denen man in der Arena menschliche Leiber zum Zerreißen vorwarf. Wie die Bestien ihre Opfer zerfleischt haben würden!
Unter dem Gebrüll und Geheul des Plebs, darunter sich »edle« Römer, Senatoren und Ritter befanden, wurden die Christen nach dem Hause des Kaisers geschleppt. Hier vor dem Palast, dem palatinischen Berg gegenüber, woselbst die eherne Kolossalstatue des Gottes aufgestellt war, angesichts des Forums, dieser hochehrwürdigen Stätte, welche die Größe Roms geschaut hatte, nahm das Fest seinen Anfang.
Pfähle bedeckten den Platz, lagen hoch aufgeschichtet, an dem einen Ende zugespitzt, um in die Erde gesenkt werden zu können. Nun kamen die Christen. Ihre Wächter überlieferten sie ihren Henkern.
Diese rissen ihnen die Kleider herab, schnürten sie an die Pfähle, in solcher Weise, daß ihr nackter Leib hoch über den Pflock hinausragte, umwickelten sie bis zur Brust mit Werg, das mit Öl und Pech getränkt wurde. Darauf schleppte man die menschlichen Fackeln hinweg, dahin, wo sie in den Boden gegraben werden sollten. Zu beiden Seiten des Weges wurden sie aufgerichtet; vor dem Palast des Kaisers und dessen Bildsäule sollten die schönsten Flammen lodern: die Jungfrauen, die Jünglinge, die Kinder.
Nachdem die Körper der Christen in die sonnigen Lüfte ragten, schickte man sich an, die kaiserlichen Fackeln kaiserlich zu schmücken. Mit sidonischer Seide und phönizischem Purpur wurden die Pfähle verziert, um die Leiber Blumen geschlungen, daß bis zur Brust Krokus und Tazetten, Lilien und Narzissen sie umhüllten; die Häupter erhielten Kränze von Lotosblumen. Von Pfahl zu Pfahl, von Fackel zu Fackel wurden mächtige Rosengewinde gezogen, die Wege mit Myrten- und Zypressenzweigen bestreut, zu beiden Seiten der Straße Dreifüße aufgestellt, die in herrlichen Gefäßen Spezereien und Sandelholz trugen.
An manchen Stellen wurden Triumphbögen erbaut.