Hier sollten die Senatoren und Ritter, die Flötenspieler und Sänger den Kaiser erwarten.
Endlich war alles vorbereitet. Ein leuchtender Himmel wölbte sich über dem Festplatz; ringsum strahlten die Paläste, die Tempel, die Götterbilder. Frühlingslüfte wehten; in den Gärten der Kaiserpaläste schlugen die Nachtigallen, und die Menschen freuten sich ihres Lebens und des Sterbens der Hunderte.
Unter der Menge, welche die Straße auf- und niederwogte, befand sich auch Tullus. Vor einer jeden der vielen lebenden Fackeln blieb er stehen und schaute hinauf, immer von neuem in der fürchterlichen Erwartung, unter den Blüten ein geliebtes, holdseliges Antlitz zu erblicken. Und wenn er die fand, die er suchte, was sollte er dann beginnen, was würde ihm dann geschehen? Bei Accas Anblick entseelt hinsinken, bevor der liebliche Leib in Flammen aufging!
Aber Acca war nicht unter den vielen, und Tullus blieb leben.
Er gewahrte alles, was geschah; er sah die Römer in bestialischer Wut, sah die Christen voll heldenhafter Ergebung; er hörte jene die Götter preisen, hörte diese ihren Gott anrufen. Unter manchem Pfahl blieb Tullus stehen und schaute hinauf; er sah das bleiche, ruhige Antlitz der dem Tode Geweihten; er vernahm, was diese von Göttern und Menschen Verlassenen in der letzten Stunde ihres Lebens, kurz vor einem martervollen Tode sich sagten: Mütter ihren Söhnen und Töchtern, Gatte der Gattin, Freund dem Freunde. Sie trösteten einander, sie sprachen sich Mut zu; sie sagten sich große, erhabene Worte, die gleich Flammen in des Jünglings Seele drangen.
»Unser Herr, der erleiden mußte, was wir erleiden, sprach: Vergebt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Laßt uns diese Worte unserm Herrn und Heiland nachsprechen.«
Das taten sie, das taten alle.
Ein Greis ermahnte: »Auch dessen gedenket in dieser Stunde: daß uns geboten ward zu lieben, die uns hassen und verfolgen, und zu segnen, die uns fluchen. Erfüllet den Willen des Herrn, der für uns gestorben ist.«
Wiederum ein anderer: »Harret aus! Bald ist's überwunden.«
»Ja, bald werden wir bei unserm lieben Herrn im Paradiese sein.«