Wie einen Sack höhlen sie von innen den Kadaver aus — wälzen sich im Aas, während die Geier, wütend und vergeblich, immer noch auf die zähe Haut einhacken.

Ein furchtbares Bild des Daseinskampfes. Ich bin so benommen von der Wucht dieses Bildes, daß ich an ein Schießen gar nicht denke, das Gewehr hingelegt habe und mit offenen Augen nach vorn starre.

Da geht plötzlich ein mächtiger Ruck durch den verwesenden Körper und ein riesiges Krokodil schnellt aus der Halsöffnung hervor, über und über braunrot mit Blut, Aas und Kot besudelt, grell von den leuchtenden Strahlen der eben untergehenden Sonne beschienen, im Rachen einen halb menschengroßen Fetzen Knochen, Gedärme und Fleisch.

Ein bestialisch greulicher Gestank weht mir ins Gesicht!

Im selben Augenblick springt die Brise um — gedämpft, wie unwirklich — von unendlich weit her — erklingen verwehte Fetzen der Königshymne: — — — die Abendmusik an Bord der »Königsberg«!

Stutzend halten einen Augenblick Krokodile und Geier im Fraß inne, dem ungewöhnten Geräusch lauschend, nur der rotbraunbesudelte Bursche schleppt langsam rückwärts kriechend seine Beute über die Sandbank dem Flusse zu, einen breiten Blut- und Kotstreifen hinter sich lassend.

Da flaut der Wind plötzlich ab, die Sonne ist weg! — — Nur noch das Knacken und Krachen von zermalmten Knochen, das Reißen von Haut- und Fleischfetzen — lautes Schnalzen, Schmatzen, Mahlen von Kiefern ist zu hören.

Die vier kurzen Stummelbeine wackeln, als ob sie sich sträuben wollten und heben sich phantastisch vom dunkelnden Himmel ab. Die Geier, denen jetzt einige aus dem Halse hängende Fleischfetzen zur Beute gefallen sind, hacken darauf herum, reißen sie in Stücke und flattern, im beschmierten Schnabel den stinkenden Fraß, auf und davon.

Schnell wird es dunkel! Ein Schuß hätte keinen Sinn mehr, auch habe ich keine Lust dazu. Warum dies seltsam schauerliche Naturbild stören!

Kampf, überall Kampf um Sein und Nichtsein! Hier wühlen Krokodile im stinkenden Flußpferdaas, hacken flatternde Geier, dort in verworrenster, afrikanischer Flußwildnis ein Kreuzer mit dreihundert Menschenleben, die tagtäglich kämpfen müssen — gegen andere Geschöpfe gleicher Rasse, die nach ihrer Vernichtung lechzen.