Es ist Nacht.

Schlaflos starre ich auf die weißlichen Falten des Moskitonetzes trotz des Morphiums, schlaflos vor Schmerzen im abgerissenen, entzündeten Fuß. Eine englische Granate hat ihn zerschmettert — sie hatte erst die Back und das Zwischendeck durchschlagen.

Neben mir schläft mein Kommandant — ruhig, gleichmäßig geht sein Atem. Er ist schwer verwundet!

Durch den Schleier des Moskitonetzes sehe ich seinen weißen Verband.

Es ist ein altes hölzernes Pflanzerhaus, in dem wir liegen. Fünf Zimmer und zwei Veranden — alle voll von Verwundeten. — Alle haben den ehrenvollen Untergang der »Königsberg« in aussichtslosem Kampf gegen zwanzigfache Überlegenheit mit ihrem Blute bezahlt.

Ein Stöhnen flattert auf — ein Seufzen, ab und zu leises Wimmern! —

Leuchtend spannt sich der klare Tropenhimmel über der weiten Steppe — einsam träumt das alte Pflanzerhaus, nur armselige, kleine Negerhütten liegen zu einem Klumpen geballt daneben — das Dorf Kingwangwanda. Nach Norden und Westen zu dehnen sich Kulturen von Kautschuk und Sisal. Alle sind verlassen, verwildert. Nach Süden und Osten erstreckt sich die weite Steppe. Raschelnd haucht der Nachtwind über sie hin.

Dort liegt ein einsames Geviert, darin Kreuz an Kreuz, alle gleichmäßig, alle schlicht, alle mit kurzer Aufschrift:

»Beim Untergang S. M. S. Königsberg am 11. 7. 15 gefallen!«

In der Mitte ein großer Stein, daran eine Kupfertafel, gehämmert aus einem zerschossenen Dampfrohr mit dem von ungeübter Hand eingehauenen Taufspruch der »Königsberg«: