Eine Lücke entsteht, nur ausgefüllt von straffgespannten Stahltauen, die mächtige Deichsel erscheint, gelenkt von zwei stämmigen Europäern und zehn Schwarzen, dann taucht gigantisch aus den Staub-, Schweiß- und Dunstschwaden eine hohe Protze auf, zieht knirschend vorüber — — an ihr hängt ein gewaltiges Schiffsgeschütz. Tief drücken sich die mannshohen, breiten Eisenräder in den weichen, nachgebenden Sand — — schlingernd, krachend, klirrend schiebt sich das Ungetüm vorüber.
Fast zwanzigtausend Pfund werden von den sehnigen Negerbeinen durch den Sand der afrikanischen Karawanenstraße gezogen; stoßend zermalmen die massigen Räder Äste und Baumstümpfe.
Es ist ein Geschütz meiner Batterie, ein 10,5-Geschütz der »Königsberg«. Mit vieler Mühe wurde es nach dem Untergang von dem Wrack des Kreuzers abmontiert, auf Schlitten nach Daressalam geschleift und dort in der kleinen Hafenwerft mit Fahrlafettierung versehen.
In Daressalam hatte es von Land aus schwer gegen das übermächtige englische Blockadegeschwader zu kämpfen. Daressalam ist jetzt vom Feinde genommen.
In Gewaltmärschen sind wir auf dem Rückzug nach Süden.
Es ist September 1916.
Ohne Ruhe und ohne Unterlaß vom ersten Schimmer des beginnenden Tages bis in die Nacht hinein knirschen die Räder, stampfen die Beine — wumm — wumm — wumm! Der Feind drängt — alles hinter uns wird zerstört, die wenigen primitiven Brücken abgebrochen.
Mein Beinstumpf ist verheilt, ich kann bereits vom Morgen bis zum Abend im Sattel sitzen. —
Glühend sticht die Sonne vom Himmel, sie spiegelt sich auf den meist geschorenen, schweißtriefenden Schädeln der Schwarzen wie in Billardkugeln.
Die Augen und Mund voll Sand, umreite ich wie ein Schäferhund die lange wimmelnde Kolonne. Es gilt die äußerste Kraft anzuspannen! Hart ist der Krieg — — wir müssen weiter.