Erst im Kutter ist die Höhe der Dünung zu erkennen. Wir fliegen von der Reeling bis zu dem grünbewachsenen Schiffsboden auf und nieder. Die Bedienungsmannschaften der Vorleine haben ihre schwere Not, das Boot in der richtigen Lage zu halten.
Alles ist fertig!
»Absetzen — Riemen bei — Ruder an!«
Im Takt klettert der Kutter die See hinan, schlingert auf der anderen Seite wieder hinunter. Zuweilen verschwinden hinter dem breiten, flachen Rücken einer langhinrollenden See sogar die Masten der langsam immer kleiner und kleiner werdenden »Königsberg«.
Trotzdem wir die Dünung mit uns haben, kommen wir nur langsam vorwärts, denn der Wind kommt uns entgegen.
Glühend heißer, feiner Flugsand setzt sich überall in Mund, Augen und Ohren fest. Mächtiger und mächtiger türmen sich vor uns die gelben Sandriesen mit ihren roten Schluchten und Steilabfällen. Nach fast einer Stunde haben wir die weißschäumende Brandung dicht vor uns, die weit an den flachen Sandufern emporleckt.
Wir spähen nach einer Landungsmöglichkeit. — Aber hier ist guter Rat teuer! Denn der Wind steht von Land, die schwere Dünung von See.
Alle Künste der Seemannschaft werden angewendet — Anker geworfen, durch Rückwärtsrudern mit dem Bug nach See zu versucht durch die Brandung zu kommen. Vergeblich! Unsere Kriegsschiffskutter sind schlechte Brandungsboote.
Von einer mächtigen heranwallenden See werden wir gefaßt, schlagen quer und werden wie ein Kinderspielzeug — der schwere zehnriemige Kutter mit seiner ganzen Besatzung — in hohem Bogen auf den Sand geworfen, daß Spanten und Planken krachen.
Gewehre, Schaufeln, Bootsausrüstung werden hier und dort an Land gespült, hier und dort klettert einer triefend und prustend ans Ufer, seine Knochen prüfend und betastend.