Aber die Flagge auf dem weißen Palast ist jetzt nahezu die einzige ihrer Art. Überall soweit das Auge reicht wehen andere Farben im Winde. Auf allen öffentlichen Gebäuden, an allen Masten der Schiffe im Hafen leuchtet das liegende Andreaskreuz im roten Felde, leuchtet der Union Jack.

Unguja wird nicht mehr von seinen angestammten Fürsten beherrscht, Unguja ist eine Stadt der Engländer geworden. — —


Und Unguja ist heute — es ist der 20. September 1914 — unser Ziel! —

In schneller Fahrt schiebt sich der schlanke Leib der »Königsberg« durch die blaue, leichtgewellte Flut nach Norden; gleichmäßig, in dicken Schwaden quillt aus den drei Schornsteinen der Rauch.

An Backbord, kaum ein Dutzend Seemeilen entfernt, sehen wir die deutschostafrikanische Küste vorbeigleiten mit ihren langwelligen, grünblauen Hügelketten, die weit nach Westen zu in bläulichem Dunst verschwinden. Überall steigen dort hohe, weißleuchtende Rauchsäulen in den Himmel — es ist September, die Zeit der Steppenbrände. Seit Mai, Juni hat die glühende Sonne das Gras, den Busch und die Baumsteppen ausgedörrt. Von den Eingeborenen durch Absicht oder Versehen angesteckt, wälzen sich die Brände vom Winde getrieben dahin.

Dort drüben auf diesen langgestreckten Hügelwellen scheint kaum ein Luftzug zu wehen, denn kerzengerade ragen die hellen Rauchsäulen wie Zedern in die klare Luft.

Die Sonne beginnt sich zu neigen und läßt tiefdunkle Schatten auf den Ostteil der Küste fallen.

Wir passieren das Vorgebirge von Ras Kanzi und drehen etwas nach Osten. —

Es ist Nacht geworden. Mit erstaunlicher Schnelligkeit sind die Purpurstreifen im Westen zerflossen. Als einheitliche dunkle Masse liegt die Küste da.