Die Rauchsäulen sind nicht mehr zu erkennen, nur ab und zu leuchtet ein roter Feuerstreifen auf!

Da blitzt voraus an Backbord ein Blinklicht auf — es kann nur der Leuchtturm der Insel Makatumbe sein, die vor der Hafeneinfahrt von Daressalam liegt. Wir staunen alle, daß an unserer eigenen Küste jetzt im Kriegszustande noch ein Leuchtfeuer brennt, freuen uns aber, denn so haben wir nochmals einen genauen Schiffsort, bevor wir das völlig im Dunkeln liegende Sansibar ansteuern.

Schweigend in der leise wiegenden See rauschen wir nach Norden. Was mögen wir wohl im Hafen von Sansibar antreffen? Eine kühne Tat unseres Kommandanten, sich in die Höhle des Löwen, die Operationsbasis der gegen uns geschickten englischen Kreuzer, zu wagen — noch kühner durch die große Schwierigkeit der Ansteuerung.

Schon in Friedensverhältnissen ist es keineswegs einfach, den von zahllosen Riffen und Inseln umsäumten Hafen zu erreichen. Um so schwieriger jetzt — bei Nacht, ohne Markierung und Befeuerung des Fahrwassers.

Und gelingt es uns glücklich, die Einfahrt zu finden, so ist es sehr leicht möglich, daß wir weit überlegene feindliche Schiffe vorfinden werden. — —

Nach Mitternacht kommt an Backbord ein Licht in Sicht. Alle Nachtgläser sind darauf gerichtet. Was kann es sein, ein Wachboot oder eine Dhau? Oder ist es — wie die meisten glauben — eine absichtlich falsch ausgelegte Leuchtboje?

Wir vermindern die Fahrt, steuern vorsichtig weiter.

Bald ist das Licht achteraus verschwunden. Es war ein englisches Wachschiff, das uns nicht gesehen, oder gern einem Zusammentreffen mit uns ausgewichen war, mochten seine Kameraden im Hafen von Sansibar den Schaden davon haben.

Gegen zwei Uhr nachts taucht an Steuerbord — im Osten — eine dunkle Landmasse auf. Es muß die Südspitze von Sansibar sein.

Dutzende von Augenpaaren durchbohren die Nacht. Gleichmäßig gleiten wir dahin.