Dort, fast im Herzen der weitverzweigten Insel- und Wasserwirrnis, wird das Grün heller, an manchen Stellen fast gelb; dort wehen weite Palmenwaldungen in leichtem Luftzuge, dort liegt der einzige bewohnte Ort: Salale.

An dem mächtigen, tiefen Saningaarm gelegen, ist es von See aus selbst durch große Küstendampfer zu erreichen, sie laufen dort an, um das Mangrovenholz und die Erzeugnisse der wenigen am oberen Rufiji gelegenen Pflanzungen zu verladen.

Salale ist sogar Poststelle. Mitten im Wald, an einer besonders hohen schlanken Palme, ist ein blauer Briefkasten angenagelt, daneben steht ein kleines, sauberes Lehmhäuschen, in dem der Leiter dieser Nebenstelle, ein biederer, goldbrauner Goanese sein bescheidenes Dasein fristet.

Die einzigen Europäer dieses verborgenen Ortes sind zwei alte Deutsch-Afrikaner: ein Forstbeamter und seine Frau. Sie haben hier schon viele Jahre ihres Lebens unter den nickenden Palmen zwischen den Eingeborenen ihrer Station verbracht.

Ihr weißes, einstöckiges Steinhaus steht fast am Strande, mitten in dem tiefen, hellbraunen Sande, dort gedeiht die Kokospalme am besten. Sie kommt denn auch überhaupt nur hier oder nicht allzuweit von der Küste vor. Das ganze übrige Gebiet des weiten Deltas ist von dunkelgrünen Mangroven bewachsen, ihre Luftwurzeln ragen bei Niedrigwasser in grotesken Verschlingungen aus dem weichen, tiefen Mutt hervor. Ein Anlandsteigen ist hier überall fast unmöglich — man versinkt ohne weiteres in diesem sumpfigen Lehmbrei.

Gleich hinter Salale hört das tiefe Wasser auf, der Saningaarm macht eine Biegung und nur eine schmale, keine zwanzig Meter breite Fahrrinne ist noch vorhanden.

In ihr liegt am 4. November 1914 die »Königsberg«, ganz dicht an die Mangroven gepreßt, so daß man fast hinüberlangen kann. —

Der Kohlenvorrat ist erschöpft! —

Sie hat im Rufiji Schutz gesucht und auch gefunden. Erst gestern ist sie von englischen Kreuzern entdeckt worden, die die »Somali«, die nordöstlich von Salale verankert liegt, um einfahrenden Feinden ein Hindernis zu bieten, schwer unter Feuer genommen haben.