Heute erwarten wir einen entscheidenden Angriff. Allerdings erst gegen Nachmittag, da nur dann, beim höchsten Hochwasser, die vor der Einfahrt liegende Barre von den englischen Kreuzern passiert werden kann. —

Die Eigenart der Verhältnisse hat uns gezwungen, ein Verteidigungsmittel seltener Art zu erfinden.

Wir müssen unbedingt verhindern, daß die englischen, uns artilleristisch weit überlegenen Kreuzer — es sind die »Weymouth«, »Dartmouth« und »Falmouth« — einlaufen, müssen sie gleich beim Einfahren in die Mündungen angreifen.

Das wirksamste Mittel dafür sind unsere fünf Torpedos. Wir haben aber keine Boote, von denen aus wir sie abfeuern können. So müssen wir uns eben auf andere Weise helfen.

Zwei Einbäume werden mit Querbalken in einem Abstand von einem Meter aneinander gebunden und in der Mitte an den Verstrebungen Laufschienen angebracht, in denen der Torpedo hängt.

Beim Schuß wird einfach der Öffnungshebel durch Ziehen an einem Drahtstropp umgelegt und mit einem gewaltigen Satz springt dann der glänzende, stählerne Riesenfisch, der größer ist als das ganze Torpedoboot selbst, in der angesteuerte Richtung in die Luft, um dann im hochaufspritzenden Wasser unterzutauchen und seinem Ziel zuzuschwimmen.

Wir haben es schon ein paarmal versucht und über Erwarten günstige Erfolge damit erzielt. Daß beim Schuß, durch den Stoß, die Hälfte der Besatzung jedesmal über Bord fällt und prustend wieder in die Einbäume, die dann halb voll Wasser sind, klettern müssen, tut dem Eifer nicht den geringsten Abbruch.

Wir wollen uns heute in der Nähe der Mündung mit unserem »Torpedotumbi« — tumbi heißt auf Kisuaheli »Einbaum« — in einem verschwiegenen Seitenkreeck hinter den Mangroven verbergen und dem ersten Engländer, der versuchen sollte einzudringen, auf 300–400 Meter einen Torpedo in den Leib jagen. — Auf diese Entfernung muß er treffen und wirken!

Von der Pinasse geschleppt, steuern wir langsam an Salale vorbei, das verlassen daliegt. Seine Bewohner, Weiße sowohl wie Schwarze und Braune, sind jetzt längst geflüchtet. Auf der höchsten Palme sitzt ein Beobachtungsposten von uns.

Weiter geht es, die schweigenden Mangroven entlang, der Mündung zu. Das Wasser läuft noch stark stromauf, in zwei Stunden — etwa um vier Uhr nachmittag — wird Hochwasser sein.