Wir biegen nach Westen zu in das hohe Gras ab, denn nach Süden windet sich ein schmaler Negerpfad, nach einem nicht sehr weit abliegenden Dorf Mitschi-gitschi zu. Wir wollen ihn vermeiden, da er jetzt häufiger begangen wird, sei es von Trägerkarawanen mit Verpflegung, Eilboten oder auch neugierigen Eingeborenen, die das deutsche Kriegsschiff hier mitten im Herz ihres Landes sehen wollen.
An einer Gruppe von Dum- und Borassuspalmen vorbei schlagen wir uns in den Busch. Hier steht noch hohes Gras. Der Steppenbrand des Vorjahres hat anscheinend dieses Dickicht nicht durchdringen können, das mit niedrigem Dornbusch und unentwirrbarem Gestrüpp verwachsen und verfilzt ist.
Schritt für Schritt dringen wir vorwärts. Wilde Tauben gurren. Eine Schar kleiner grüner Papageien flattert auf. Ein winziger, gelber Webervogel hüpft von Halm zu Halm.
Dann wird das Gras niedriger, vereinzelte Grüppchen von Aschenresten zeigen an, daß hier das Feuer durchgeprasselt sein muß. Wir kommen schneller vorwärts.
Es ist mein erster Pirschgang auf afrikanischem Boden. Eigenartig mutet der Gegensatz zwischen dem neuzeitlichen lärmenden Bordbetrieb eines gefechtsklaren Kriegsschiffes und dieser verlassenen, träumenden Urwaldstille an.
Zwei Welten — kaum einige Kilometer auseinander — und dennoch durch Entwicklungsstufen von Jahrtausenden getrennt. —
Tiefer und tiefer führt uns unser Weg. Breite Schilfstreifen wechseln wieder mit dürren, mannshohen Grashalden, dichtes Unterholz mit freistehenden Baumgruppen, aus denen je ein bis zwei stachelige Palmen herausragen.
Wild ist nicht zu sehen.
Wir folgen der tiefeingetretenen Spur eines Flußpferdes, die von der Sonne ausgetrocknet als eine Reihe von mächtigen Löchern mit harten Rändern über den ebenen Boden läuft.
Manchmal kreuzt sie sich mit anderen Spuren dieser wuchtigen Dickhäuter, oft laufen drei bis vier nebeneinander und durcheinander. Der Boden ist so zerwühlt, daß ich nur langsam vorwärts komme.