Wir können beginnen! Mit langen Schnitten wird die fast drei Zentimeter dicke Haut durchtrennt und tiefer und tiefer wühlend erreicht das lange Messer die Wirbelknochen. Ein Knacken, ein Krachen — auch sie sind gelöst und der gewaltige Schädel, dessen unheimliche Formen jetzt vom Wasser frei sichtbar werden, fällt zurück — noch einige Schnitte und er liegt auf der Sandbank.
Mit vereinten Kräften suchen wir den Rachen zu öffnen, um die Zähne zu sehen. Sie sind noch größer, als wir erwartet haben. Wie zwei braune im Feuer gehärtete Spieße springen die inneren vor, wie zwei krumme, breite Säbelscheiden ragen die äußeren.
In einem großen Loch der Sandbank vergraben wir ihn. In wenigen Wochen werden ihn Käfer und Ameisen gesäubert haben und seine weißen Knochenwände sauber gebleicht in der Sonne trocknen können.
Als ich den mächtigen Kadaver, aus dessen Halswunde noch immer in roten Strömen das Blut fließt, so am Uferhang liegen sehe und dahinter das dichte verwachsene Schilfgestrüpp, kommt mir der Gedanke, ihn hier als Köder für Krokodile liegen zu lassen und dahinter einen kleinen Anstand zu bauen.
Mit kräftigem Bordtauwerk binden wir ihn so fest an die Uferbäume, daß das größte Krokodil ihn nicht wegreißen kann. Etwa zwanzig Meter dahinter wird aus Laub und Gras eine Wand aufgebaut und dann das Schilf des Zugangsweges niedergeschlagen, damit ich mich abends unhörbar anschleichen kann.
Große Teile der Sandbank liegen jetzt wieder frei. Ein eingerammter Pfosten bezeichnet die Stelle, wo der vergrabene Schädel liegt. Mit einigen starken Stößen schieben wir den Einbaum ins Wasser.
»Huko mamba — dort kommt ein Krokodil!«
Wir sind eben beim Ablegen, da schiebt sich keine fünfzig Meter von uns weg ein langer, schmutzig grüner Schädel aus dem Wasser — gelbe Äuglein blinken. Ein Ruck — weg ist er! —
Schon zieht die Witterung des in der Sonne liegenden Kadavers über Fluß und Ufer! Drei große Geier kreisen über der Sandbank.
Die Sonne hat mittlerweile beinahe Mittagshöhe erreicht. In glühender Hitze zittert die Luft. Rasch fließt das Wasser stromab. Bald tauchen die grauen Wände der »Königsberg« auf, und wir klettern an Bord. — —