[431] Von den 63 Selbstmorden durch Gift, welche im Jahre 1874 in Wien vorkamen, wurden 32 durch Cyankalium, 11 durch Schwefelsäure, 6 durch Laugenessenz, 7 durch Phosphor, 5 durch Morphium und nur 2 durch Arsenik bewerkstelligt; und von den 1875 vorgekommenen (57) 1mal durch Blausäure, 7mal durch Cyankalium, 3mal durch Morphium, 2mal durch Strychnin, 6mal durch Schwefelsäure, 1mal durch Ammoniak, 11mal durch Kalilauge und 6mal durch Phosphor. Eine Arsenikvergiftung kam nicht vor, dagegen zweimal im Jahre 1876.

[432] „Die Gifte“, übersetzt von Seydeler, II, 196.

[433] Ueber die Ursache der Arsenikwirkung existirt eine beträchtliche Anzahl von Arbeiten. So von Böhm und Unterberger (Arch. f. exp. Path. II, 89), von Lesser (Virchow’s Arch. 74. Bd.), Binz und Schulz (Arch. f. exp. Path. XI, 212, XIV, 345, XV, 322), Filehne (l. c.), Dogiel und Vrijens (Virchow’s Jahresb. 1881, I, 411) und Pistorius (Arch. f. exp. Path. XVI, 188). Letzerer fand bei Hunden und Katzen nach Application per os als auffälligste Veränderung pseudomembranöse Auflagerungen, welche den Dünndarm in grösserer oder geringerer Ausdehnung überziehen und durch reichliche subepitheliale Transsudation einer leicht gerinnbaren fibrinösen Flüssigkeit entstehen.

[434] Virchow’s Arch. XLVII, ferner E. Hofmann (Arsenikvergiftung für Cholera gehalten) ibidem, 4, 455. In einem von uns begutachteten Falle, der eine nach 8 Jahren exhumirte Frau betraf, war der Tod zur Cholerazeit erfolgt und deshalb nicht aufgefallen.

[435] Unter 6 von Prof. Ludwig untersuchten Fuchsinsorten fand sich nur eine arsenfrei; die übrigen enthielten 0·3–0·5 Procent arsenige Säure. (Vide E. Hofmann und Ludwig, „Ein Fall von chronischer Arsenikvergiftung“. Wiener med. Jahrb. 1877.)

[436] Stadelmann, „Die Arsenwasserstoffvergiftung“. Ein weiterer Beitrag zur Lehre vom Icterus. Arch. f. exp. Path. XIV, 221.

[437] Nach Hessler, welcher auf Grund von 48 eigenen Beobachtungen die klinischen Symptome der Phosphorvergiftung zusammenstellte (Vierteljahrschrift für gerichtl. Med. XXXV, 248), trat das Erbrechen meist in den ersten 24 Stunden, nur ausnahmsweise am 2. bis 4. Tage ein. Nur 6mal wurde Phosphor erbrochen, einmal war dieser im diarrhoischen Stuhl nachweisbar.

[438] Hessler beobachtete 26mal Icterus, und zwar 3mal am 2., 11mal am 3., je 3mal am 4. und 6., 2mal am 5. Tage. Petechien in der Haut kamen 3mal vor. Sehr häufig trat am 2. bis 3. Tage eine Besserung ein, die 1 bis 2 Tage dauerte, worauf abermals Verschlimmerung, insbesondere neuerliches Erbrechen. Diarrhöe trat nur 7mal ein, 16mal bestand Verstopfung. 3mal traten Blutungen aus der Nase und 5mal bei Frauen Blutungen aus den Genitalien auf. Der Tod trat ein nach 1 Tage in 3, nach 2 in 1, nach 3 in 3, nach 4 in 8, nach 5 in 7, nach 6 in 3, nach 7 in 4, nach 8 in 1, nach 9 in 3, nach 10 in 2, nach 11 in 3, nach 12 und 15 Tagen in je 2 Fällen.

[439] Ein solcher auch durch den Befund in den Nieren interessanter Fall kam uns im März 1887 vor. Er betraf einen 26jährigen kräftigen Mann, wahrscheinlich Potator, welcher Abends, wie es schien, in schwer berauschtem Zustande in’s Spital gebracht worden war und grosse Mengen stark nach Wein riechender Flüssigkeit erbrach, die Nacht hindurch schlief und am Morgen sich ruhig verhielt, dann aber zu toben anfing, so dass er, weil er sich auch den Hals abzuschneiden versuchte, auf die psychiatrische Abtheilung gebracht werden musste, wo er in Coma verfiel und am Abend starb. Während des Transportes gab er an, Phosphorpasta genommen zu haben. Die Obduction ergab zahlreiche und grosse Ecchymosen im subcutanen Zellgewebe zwischen den Schulterblättern, im hinteren Mediastinum, unter der parietalen Pleura und unter dem Pericard, trübe Schwellung in Oesophagus und Magen, fettige Degeneration der Thoraxmusculatur, des Herzens und der Leber, aber keinen Icterus und auch im Darm gallig-gefärbten normalen Inhalt, in welchem Phosphor chemisch nachgewiesen wurde. Die Nieren zeigten äusserlich normale Färbung und mikroskopisch nur mässige parenchymatöse Degeneration, dagegen waren die Pyramiden besonders in den Spitzenantheilen eigenthümlich bleich und ähnlich wie dies bei den Harnsäureinfarcten der Säuglinge der Fall ist, strahlig gestrichelt, und zwar durch ein bleiches, in den geraden Harncanälchen abgelagertes, ausstreifbares Sediment, welches fast nur aus Phosphaten und Fetttropfen bestand. Auch der spärliche Harn in der Harnblase, der leider verloren ging, zeigte ein kalkwasserartiges Aussehen.

[440] Virchow’s Jahrb. 1876, I, 404, insbesondere aber Med.-chir. Centralbl. 1879, Nr. 32 (4 Fälle von P.-Vergiftung mit Genesung aus Halla’s Klinik in Prag).