[441] Der Icterus kann ausnahmsweise auch bei protrahirteren Fällen nicht vorhanden sein. So fehlte er in einem von Reichel (Wiener klin. Wochenschr. 1894, Nr. 9) publicirten, von Kolisko secirten Fall, obwohl der Tod erst 72 Stunden nach dem Genuss von in Oel aufgelösten Köpfchen von 18 Päckchen Zündhölzchen eingetreten war. Reichel leitet dies von der Compression des Ductus thoracicus durch massenhafte Ecchymosen ab. Der Tod war unter Erscheinungen der Vaguslähmung (Tachykardie, Singultus) erfolgt und beide Vagi waren mit massenhaften Blutaustritten durchsetzt. Auffallender Weise zeigte auch keiner der von Corin und Ansiaux (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1894, VII, 1) subacut vergifteten Hunde Icterus.
[442] Den Untersuchungen von Corin und Ansiaux zufolge ist das Blut nur bei subacuten Phosphorvergiftungen flüssig. Es zeichnet sich durch Mangel von Plasmafibrinogen, Fibrinferment und Prothrombin aus.
[443] Anzeiger der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien. 1876, Nr. 23.
[444] L. Herrmann, l. c. 239. Da wässerige Aufgüsse von Phosphor (Zündhölzchen) nicht selten zur Vergiftung benützt werden und die Giftigkeit dieser bezweifelt wurde, hat Fischer (Vierteljahrschr. f. gerichtl. Med. 1876, XXV, 41) Versuche angestellt und gefunden, dass solche wässerige Aufgüsse, selbst wenn sie wiederholt colirt wurden, noch im Dunkeln stark leuchteten und eine Menge suspendirter feinster Phosphorpartikelchen enthielten.
[445] Beachtenswerth ist die von unserem Collegen Ludwig gemachte, noch nicht publicirte Beobachtung, dass der gewöhnliche Phosphor ansehnliche Mengen von Arsen enthält.
[446] Tardieu, l. c. 500; ein anderer Fall, in welchem 60 Grm. Laudanum auf nüchternem Magen genommen wurden und trotzdem erst nach 1½ Stunden Erbrechen eintrat, doch weder der Tod, ja nicht einmal Schlaf sich einstellte, ist von Dobbie im Brit. med. Journ., 9. Juli 1870, pag. 33, mitgetheilt worden.
[447] Morphium sowohl als seine neutralen Salze geben mit neutralem Eisenchlorid eine schön blaue Färbung. Bringt man zu den Krystallen oder ihren Lösungen Chloroform und ein Körnchen Jodsäure, so färbt sich ersteres beim Schütteln violett, da Morphium das Jod aus Jodsäure frei macht und dieses in Chloroform sich löst.
[448] Deutlich war dies in den zwei zuletzt von uns obducirten Fällen. Der erste betraf einen jungen Pharmaceuten, der wegen Gesichtsschmerz sich zu chloroformiren pflegte. Eines Morgens wurde er todt in seinem Bette gefunden, ein Tuch vor Mund und Nase haltend, während ein Chloroformfläschchen auf dem Nachttische stand. Die Obduction ergab Verdickung der inneren Meningen, excentrische Hypertrophie des linken Herzens und starke Nierengranulose, Erstickungsbefunde; Chloroform wurde vom Collegen Ludwig im Gehirn und in den Nieren nachgewiesen. Der zweite Fall betraf einen 14jährigen Knaben, der behufs Exstirpation cariöser Fusswurzelknochen chloroformirt und in der Narkose plötzlich gestorben war. Die Obduction constatirte einen ungemein aufgeschossenen schlanken Körper von 167·5 Cm. Länge, Spitzentuberkulose, Endarteriitis deformans, besonders an den Coronararterien, Hypertrophie und Verfettung des linken Herzens. Möglicherweise begünstigt auch der sogenannte „Status thymicus“ (siehe [pag. 590]) solche Todesfälle (vergl. die einschlägige Debatte in der Sitzung der k. k. Gesellschaft d. Aerzte vom 11. Mai 1894. Wiener klin. Wochenschr. Nr. 20).
[449] Eine Reihe solcher Fälle nach 5–8 und sogar nach 12·5 Grm. vide Prager Vierteljahrschr. 1871, III, 131; Virchow’s Jahrb. 1876, I, 414 und Schüle (l. c. 672). Der rasche Tod erklärt sich aus der exquisit gefässlähmenden Wirkung des Giftes und scheinen, wie beim Chloroform, insbesondere Alkoholiker dazu zu disponiren.
[450] Ueber eine CO-Vergiftung mehrerer Personen durch mehrere Tage, veranlasst durch in der Wand glimmendes Balkenwerk, berichtet Berthold, Zeitschrift f. Staatsarzneikunde. 1830, X, pag. 94.