»Ja, der Mann bin ich.«
»Und Du willst sterben?«
»Ja, mein Kind, für mich ist der Tod, was für Dich das Leben ist.« Der Greis erhob sich und nahm den Knaben bei der Hand. »Komm. Dir stehen noch die goldenen Pforten des irdischen Paradieses offen, Dir lacht die Jugend entgegen, das Glück, die Schönheit, Ehre und Ruhm, komm.«
Sie schritten zusammen durch die Reihen der Gräber zur Pforte hinaus und dann den Abhang hinauf. Oben, vor dem Thore der Stadt, wies der Greis auf die maurischen Kuppeln, die im Abendlicht glänzten, und auf das blaue, sonnige Meer. Dann geleitete er das Kind bis zu dem kleinen Hause, vor dem seine Mutter, die schöne Kive, stand, ihr jüngstes Kind an der Brust, und nahm mit einem gütigen Lächeln Abschied.
Drei Tage später lief der Knabe eilig durch die jüdische Gasse, er kam vom Friedhof. Vater Menachem hatte ihn gesendet, zehn Männer der Chebura Kdischa zu suchen, er fühlte die Stunde nahen, die er so lange mit geduldiger Sehnsucht erwartet hatte.
Langsam erklomm der Greis den Abhang, warf noch einen letzten Blick auf Meer und Land und trat dann durch das düstere Thor in die Stadt. Als er auf der Schwelle seines Hauses Athem holte, kam schon Schamai mit den zehn Männern.
»Was wollt Ihr, Vater Menachem?« fragte der Aelteste unter ihnen erstaunt.