»Ich weiss, was ich thue«, sagte Zeruja, »es ist nicht genug, Gottes Gebote zu erfüllen, man muss aus Liebe zu Gott mehr thun, als er von uns verlangt, man muss sich sogar das Erlaubte versagen, nichts Weltliches darf den wahrhaft Eifrigen in Anspruch nehmen, kein Geschäft, keine Arbeit, kein Vergnügen. Er soll auch kein Weib haben. Ja, er muss seinen Körper tödten, um das Thier in sich zu bezwingen.«
Sulamith schüttelte den Kopf. »Und zu welchem Zweck dies alles? Dieser Eifer? Diese Qual?«
»Damit sich die Pforten der Geisterwelt öffnen, damit die Seele sich mit Gott vereinigen kann.«
»Gibt es nicht andere Mittel, Gott zu gefallen?«
»Es giebt nur eines«, erklärte der Schnorrer feierlich, »die Busse: Beten, Nachtwachen, Fasten, Geisseln, Qualen erdulden und immerfort wandern.«
»Und Du hast in dieser Weise Busse gethan?«
»Ja, ich habe mich im Winter im Schnee gewälzt und im Sommer auf Dornen, ich habe mich geisseln lassen, bis mein Blut floss, ich bin auf der Schwelle der Synagoge gelegen, damit mich ein Jeder mit dem Fusse tritt, der in den Tempel Gottes eingeht.«
»Zeruja, Du bist doch ein Narr!«
»Ich bin auch gewohnt Spott zu erdulden.«
»Wer sagt Dir, dass ich über Dich lache«, versetzte das Mädchen, »im Gegentheil, ich habe Mitleid mit Dir. Ich möchte Dich heilen.«