»Erlauben Sie mir, Mathele, von diesen reizenden, kleinen Fingern die garstige Tinte wegzuküssen«, sprach Abner, und ehe noch die Erlaubniss ertheilt war, hatte er die Hand des süssen Mädchens ergriffen und seine Lippen auf ihre Finger gedrückt.

»Was thun Sie?« flüsterte Mathele, »wenn die Mutter …«

»Ich thue, was ich muss«, murmelte Abner.

»Und was müssen Sie?« fragte Mathele schalkhaft, »doch nicht mir die garstige Hand …«

»Ich muss Sie lieben, Mathele«, fiel Abner ein, »ich kann nicht anders, ich liebte Sie vom ersten Augenblicke an, wo ich Sie gesehen. Es ist wie ein Märchen.«

»Oh! ich kann Ihnen ein Märchen erzählen«, erwiderte Mathele selig lachend, »das ebenso schön ist, von einem thörichten Mädchen, dessen armes Herz auch beim ersten Blick erobert wurde von einem jungen Manne, der sehr gescheidt ist und gelehrt. Ach, Abner! ich liebe Sie ja auch. Aber was soll daraus werden?«

»Etwas Gutes, Mathele«, rief der Mediziner, »denn wo zwei Herzen sich in Treue begegnen, da wachen Gottes Engel, und kein Dämon hat Macht über sie.«

Aber der Dämon war doch nicht so leicht zu besiegen, der Dämon der Finsterniss, des Zelotismus, vereint mit jenem der Habsucht.

Maecha sah die Besuche Abner's in ihrem Hause von allem Anfang mit misstrauischen Blicken an, und mit der Zeit wurde auch Teller Herschmann aufmerksam. Er hatte eine gute Partie für seine Tochter, einen Mann, »wie Gold«, und nun sollte ihm dieser »Bettler«, dieser Amcharetz (Ketzer), wie er ihn nannte, seine Fäden zerreissen. Nein, das duldete er nicht, er war Herr des Hauses und auch seiner Tochter. Sie musste gehorchen, das war eine religiöse Pflicht in seinen Augen.