Es kam der Tag, wo Teller Herschmann unerwartet den reichen Kornhändler Mark Leiser aus Kaschau seiner Frau und Tochter als den Bräutigam der letzteren vorstellte. So sanft und folgsam Mathele war, diesmal fand sie doch Worte des Widerspruches, ja sie setzte sich sogar muthig zur Wehre.

»Du machst mich unglücklich, Tate«, sprach sie, als sie mit ihrem Vater allein war, »ich will nicht, ich kann nicht Mark Leiser's Frau werden, Du brichst mir das Herz, denn ich liebe Abner Barach, ich kann keinen Anderen lieben.«

Teller Herschmann aber kehrte sich nicht an ihre Vorstellungen, ihre Bitten rührten ihn ebenso wenig, wie ihre Thränen, wie ihre von Tag zu Tag bleicher werdenden Wangen. Vergebens kam Jonas Bienenfeld, um zu ihren Gunsten zu sprechen.

»Soll ich mein Kind geben, meine Mathele«, schrie Teller Herschmann, »einem Manne, der verachtet die Gesetze, einem Menschen, der kein eigen Haus hat und keinen Kreuzer in der Tasche!«

»Abner hat mehr als ein eigen Haus und mehr als Geld«, erwiderte Bienenfeld, »er hat einen guten Kopf und er hat etwas Rechtes gelernt, er trägt seinen Schatz mit sich herum, und kann ihn deshalb niemals verlieren, weder durch eine Feuersbrunst noch durch verfehlte Spekulationen. Er wird aber Geld verdienen und wird sich bauen ein eigen Haus, denn er wird ein Arzt werden, den man wird bezahlen mit vollen Händen.«

»Mag sein, aber ich will ihn nicht zum Schwiegersohne haben,« gab Herschmann erbost zur Antwort, »ich will nicht, Jonas, hörst Du, ich will nicht.«

»Auch ich will ihn nicht«, sagte Maecha.

»Ihr wollt Euer Kind opfern«, entgegnete jetzt Bienenfeld gleichfalls gereizt, »Eurer Thorheit, Eurer Geldgier wollt Ihr es opfern, denn ich sage Euch, als Arzt sage ich es Euch, Mathele wird sterben, wenn man sie von Abner trennt, wie die Blume stirbt, die man ausreisst. Eure Kinder werden dahinsterben, eines wie das andere, und Ihr werdet allein stehen im Alter, einsam, ungeliebt und verlassen, denn alle Eure Kinder sind nur die Kapores Eurer Habsucht.«