»Was gibst Du mir«, rief in diesem Augenblick Jessika, »wenn ich Dein Wort wahr mache, wenn ich dem Honigmann sein Theuerstes nehme, so dass er sich die Haare rauft?«
»Was Du willst, Jessika, Alles, das Kostbarste.«
»Gut, aber gib es mir schriftlich.«
Markus schrieb, was sie ihm diktirte, und sie steckte die Schrift lächelnd an ihre Brust.
Vierzehn Tage später war Purim, der jüdische Carneval.
Mit Anbruch der Dämmerung strahlte das Viertel der Juden in einem Meere von Glanz. Alle Thüren waren offen. Die jungen Leute durchzogen maskirt die Strassen und traten in die befreundeten Häuser ein, um allerhand Possen zu treiben. Hier und da wurde getanzt. Bei Markus führten sie die Geschichte der Esther auf. Natürlich stellte die reizende Jessika die schöne Königin dar. Die Familie hatte sich zum Nachtessen um den langen Tisch versammelt, als man draussen Lärm und Stimmen hörte.
Hewa, die ältere Schwester Jessika's, deren Vertraute und Bundesgenossin, stürzte herein und meldete, dass Baruch Honigmann an der Thüre sei und durchaus hereindringen wolle.
»Baruch?« rief Esther, »das trifft sich gut. Ich werde ihn bedienen, wie es ihm gebührt.«
Sie eilte hinaus und die Treppe hinab. Bald liess sich ein wildes Brummen vernehmen, und Esther kehrte triumphirend zurück, einen grossen Bären an der Kette führend und einen Karbatsch in der Hand.