Kätzchen hatte ihrerseits gar keine Zeit, an einen Mann zu denken, ihr einziger Traum war ein Pelz. Kein kostbarer, wie ihn die schönen Bojarinnen trugen, nein, nur eine Hausjacke mit Kaninchenfellen besetzt und gefüttert. Kätzchen war nervös, wenn sie im Winter in dem kleinen Gewölbe arbeitete, schüttelte sie der Frost, und selbst im Sommer erbebte sie manchmal, als ob sie fröre und so erschien es ihr als die höchste Seligkeit, sich in weiche, warme Felle zu schmiegen.

Als sie wieder eines Abends in dem kleinen, mit allerhand Kram vollgestopften Gewölbchen sass und eine Gardinenstange vergoldete, schlüpfte ein kleines langbärtiges Männchen herein, grüsste sie lächelnd und bot sich an, ihr wahrzusagen. Es war Chas Messing, der die Gabe der Chochmad Jad besass und als Prophet sein bischen Lebensunterhalt verdiente.

Kätzchen dankte. Sie konnte nichts für eine so unnütze Sache ausgeben. Aber Chas gab nicht nach. »Geben Sie mir eine Birkendose«, sagte er, »und ich bin zufrieden.« »Gut.« Sie gab ihm die Dose und er blickte in ihre Hand.

»Glück!« rief er, »und was für ein Glück! Der Reichthum steht Ihnen nahe und was für ein Reichthum! und ein Mann, was für ein Mann.«

Kätzchen lächelte ungläubig, aber keine Woche verging und Barom, ein Schadchen aus Jassy kam zu Schawa Levi, und nachdem er dessen Tochter gesehen und gesprochen, sagte er: »Das Mädchen ist hübsch, klug und brav. So eine Frau will der reiche Paschallas für seinen Sohn haben. Es ist eine grosse Familie, die im ganzen Königreich nicht ihres Gleichen hat, die Braut muss aus dem Stamme Levi sein, und Gott war mir behülflich, dass ich dieses Mädchen gefunden habe, so tadellos und aus so edlem Geschlechte.«

Nach einigen Tagen kam der junge Modruch Paschallas mit Barom zur Brautschau, einen Monat später war die Hochzeit und am folgenden Tage zog Kätzchen als Herrin in das Haus ihres Gatten in Jassy ein.

Sie glaubte zu träumen und fürchtete, dass sie jeden Augenblick erwachen würde, aber nein, sie träumte nicht. Diese Wollust, die sie empfand, als sie das erstemal in den grossen Pelz schlüpfte, den ihr Gatte ihr gebracht, als sie in den weichen Fellen sass, sie empfand sie wirklich und fort und fort, während der Fahrt im Eisenbahnkupee und als sie in Jassy an der Seite Modruch's durch die Strassen fuhr, es waren wirklich Pferde vor den Wagen gespannt, sie wurden nicht scheu, und die Marmortreppe in dem kleinen Palast stürzte nicht ein, als sie dieselbe hinaufstieg. Nein, sie träumte nicht, das Glück, das Chas Messing ihr prophezeit hatte, es war da, sie konnte es mit Händen greifen, und sie wurde nicht satt, die Damastvorhänge ihres Schlafzimmers durch die Finger gleiten zu lassen, den Sammt der Möbel zu streicheln und vor allem den goldigen Zobel, mit dem ihre rothsammtne Hausjacke gefüttert und ausgeschlagen war.