Das währte einige Zeit. Die Sorgen schienen verbannt für immer, sie schienen vor dem mit Gypsabgüssen antiker Bildwerke und mit exotischen Pflanzen geschmückten Vestibule zurückzuscheuen, aber nach und nach schlichen sie sich durch Mauerritzen und Schlüssellöcher ein.
Kätzchen Petersil sass im Ueberfluss, wie die Frau eines Nabob, sie fröstelte nicht mehr und sie brauchte nur den Finger auf einen der Elfenbeinknöpfe zu legen, die allerorten angebracht waren, und der elektrische Funke trug ihre Befehle durch das Haus, durch die Stadt oder setzte ein Heer von Dienern in Bewegung.
Ihr Gatte war nur der erste ihrer Sklaven. Und sie war auch schön geworden, nachdem sie ihm das erste Kind, einen Knaben, geboren hatte. Ihre schlanke Gestalt blühte immer üppiger auf und sogar die garstigen Flecken schienen verschwunden.
Aber die Sorgen, an die sie ihre Kindheit, ihre Jugend durch gewöhnt war, nisteten sich mehr und mehr bei ihr ein und quälten sie bald noch grausamer und schrecklicher als vordem im Trödelladen ihrer Eltern. Das arme Kätzchen, das einige Tage selig, ein paar Monate glücklich und ein Jahr zufrieden war, hatte wieder keine ruhige Stunde. Eine Art Fieber trieb sie aus einem Raum des Hauses in den anderen, aus dem Hause in die Fabrik, in die Stadt und wieder zurück und quälte sie in Traum und Wachen. Sie erwachte nachts und dachte: »Wenn jetzt Feuer entstände?« Rasch zog sie ihre seidenen Strümpfe, ihre türkischen Pantoffel an, schlüpfte in den Schlafpelz von gelber, goldgestickter Seide, der mit blendendem Hermelin gefüttert und ausgeschlagen war, hüllte ihren zierlichen Kopf in einen rothen persischen Schleier und schlich dann durch die Zimmer, um zu sehen, ob man nicht eine Lampe, eine Kerze auszulöschen vergessen habe, bis in die Küche, wo sie Wasser in die Gluth goss.
Im Theater, während man eine lustige Operette gab, wurde sie von dem Gedanken erfasst: »Wenn mein Mann plötzlich arm würde!« und verliess rasch ihre Loge, um Modruch in seinem Comptoir aufzusuchen und aus seinen Büchern Beruhigung zu schöpfen.
Sie stand mitten in einem Diner, das sie den Freunden ihres Gatten gab, auf und stürzte an die Wiege ihres Kindes, um sich zu überzeugen, dass es nicht gestorben sei.
Modruch begann endlich auch unter dieser Seelenfolter seiner Frau zu leiden. Vergebens stellte er ihr vor, dass dies Einbildungen seien, dass sie sich selbst quäle, dass sie sich und ihrer ganzen Umgebung das Leben schwer mache durch einen krankhaften Wahn, sie antwortete jedesmal nur mit einem traurigen Lächeln. Als er ihr aber einmal ihr Kind brachte und vorwurfsvoll sprach: »Auch dies macht Dich nicht glücklich?« da murmelte sie: »Sei mir nicht böse, es ist ja alles gut, aber das Glück ist zu spät gekommen.«