»Wir müssen uns einen Ausweg suchen,« sagte Modruch, »wenn wir nicht hier im Qualm ersticken wollen.«

Kätzchen nahm ihr Kind auf die Arme, und die jüdischen Männer, alle bewaffnet, umgaben sie. So stiegen sie langsam die Treppe hinab. Der Riese begann die Thüre freizumachen.

Da ertönten Trompeten und der Hufschlag der Pferde. Eine Eskadron Cavallerie kam an und trieb den Pöbel und die streikenden Arbeiter mit der flachen Klinge auseinander.

Modruch machte noch einen Versuch, das Haus zu retten, aber er gab es bald auf und sah finster, die Zähne aufeinandergepresst, sein Hab und Gut in den Flammen enden.

Da legte sich eine kleine Hand auf seine Schulter und eine Stimme voll Liebe und Energie sprach: »Mann! Geliebter! verzweifle nicht. Wir werden das Haus aufbauen und die Fabrik. Ich habe Dich, Du hast Dein Weib und Dein Kind, und was verloren ist, können wir entbehren.«


Und die kleine Frau hielt Wort. Sie hatte mit einem Male ihre ganze Energie, ihre ganze Kraft wiedergewonnen, das Unglück fand sie besonnen und kaltblütig.

Kaum war die Ordnung hergestellt, Leben und Eigenthum der Juden gesichert, so erschien sie schon bei dem Minister, nicht um zu bitten, nein, um anzuklagen und zu verlangen. Sie machte die Regierung für den Schaden, den ihr Mann erlitten, verantwortlich, und sie erlangte die Hülfe, welche sie forderte. Dann eilte sie von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, überall, wo ihr Mann Geld zu fordern hatte, erschien sie und bestimmte seine Geschäftsfreunde, früher zu zahlen, als sie verpflichtet waren. Sie ging von Bessarabien nach der Bukowina und Galizien, von hier nach Ungarn und Siebenbürgen.

Als sie zurückkehrte, begann man sofort den Schutt wegzuräumen und auf den Trümmern erhob sich rasch ein neuer Bau. Kätzchen Petersil hatte das Schicksal bezwungen, und zugleich war der Bann gebrochen, der ihre Seele gefangen hielt.