– SÜDDEUTSCHLAND. –

Das Laubhüttenfest.

Es war um die Mitte September, als Martin Friedlieb nach langer Abwesenheit in seine Heimath, eine grössere Stadt Süddeutschlands, zurückkehrte.

Man sprach denselben Abend in allen israelitischen Familien von ihm und auch bei Sindel, dem reichsten Juden am Platze, der eine bedeutende Spielwaarenfabrik besass.

»Was hat er jetzt davon,« sagte Sindel, »hat sein ganzes Geld verstudirt und verreisst, der Martin, und ist heute gekommen ohne einen Pfennig in der Tasche. Was wird er nun anfangen? Der Gemeinde zur Last fallen.«

»Das hat er wohl nicht nöthig,« erwiderte Frau Leonore Sindel, welche der weibliche Schöngeist der Stadt war, »er hat an den ersten Universitäten studirt, in München, Berlin, Heidelberg, Prag und Wien, er hat Italien, Frankreich und die Niederlande bereist, alle Gallerien gesehen, alle die herrlichen Kunstschätze des Alterthums und der Neuzeit.«

»Was kauft er sich jetzt dafür?« fragte Sindel spöttisch.

»Er ist Kunsthistoriker,« sagte Leonore, »er schreibt jetzt ein Buch und wird dann Professor werden.«

»Das kann doch nichts einbringen.«

»Oh! es gibt Professoren, die zehntausend Mark das Jahr bekommen und mehr.«