»Nun wir werden ja sehen.«
Deborah, die Tochter Sindel's, hatte kein Wort gesagt, sondern stille an der Puppe weiter gearbeitet, die sie anzog, aber alles, was sie gehört hatte, hatte sofort Theilnahme und Interesse für den jungen Gelehrten bei ihr erregt, und als Martin am folgenden Vormittag seinen Besuch machte, trat sie mit klopfendem Herzen in den Salon.
Martin liess von Zeit zu Zeit seinen Blick mit Wohlgefallen an der schlanken Gestalt, dem reinen, jungfräulichen Antlitz Deborah's haften, und sie fand ihn überaus männlich und geistvoll. Als Martin sich erhob, war das geheimnissvolle Band zwischen Beiden geschlungen. Die Mutter fühlte es sofort, und da sie von dem jungen Professor, wie sie Martin nannte, bezaubert war, lud sie ihn zum Essen ein und schlug ihm zugleich vor, da er weder Vater noch Mutter hatte, mit ihnen die Laubhütte zu bauen, denn das Fest war vor der Thüre. Martin nahm dankbar an, und Deborah erröthete, als sie ihm zum Abschied die Hand drückte.
Am nächsten Tage, beim Essen, fand Martin Gelegenheit, Sindel eine gewisse Achtung abzunöthigen. Man sprach vom kommenden Fest, und Martin erklärte in seiner liebenswürdigen, bescheidenen Weise die Bedeutung desselben. Er setzte auseinander, wie es zugleich zum Andenken an den Aufenthalt in der Wüste gefeiert wurde und als eine Art Erntefest, da im gelobten Lande um diese Zeit alle Früchte eingebracht und die Weinlese beendet war. »Sieben Tage sollst Du unter Zelten wohnen, schreibt das Gesetz vor, zur Erinnerung an das Nomadenleben in der Wüste, aber die Früchte, die man in der Laubhütte aufhängt, sind vielmehr Symbole jenes palästinischen Erntefestes.«
Schon drei Tage vor dem Feste begann überall der Bau der Laubhütten, und alle nahmen daran Theil, Alt und Jung, jeder trug sein Scherflein bei. Hinter der Fabrik lag das stattliche Haus Sindel's im altdeutschen Stil und hinter diesem der Garten. Hier, auf einer kleinen Wiese, schlug Martin die vier Pflöcke ein, welche den ganzen Bau tragen sollten. Die Pfeiler wurden durch Latten verbunden, welche eine Art Wand bildeten. Sindel und sein Sohn Zelias verkleideten die Suka von aussen mit Tannenzweigen und Moos, während die Frauen das Innere mit weissem Stoff überzogen. Martin hatte die Herstellung der Decke übernommen. Nachdem er ein Dach aus Holzstäben gefertigt, deckte er es mit Tannenzweigen, aber so, dass kleine Lücken offen blieben, durch welche der Himmel und die Sterne hereinblicken konnten. Als dies geschehen war, trat er in das Innere der Suka ein, um den Aufputz anzubringen, den Eleonore und Deborah vorbereitet hatten. Das reizende Mädchen liess es sich nicht nehmen, ihm dabei zu helfen. Sie reichte ihm die Ketten aus farbigem Papier, die Vogelbeerzweige, deren rothe Früchte freundlich aus dem kräftigen Grün herausblickten, die Birnen, Aepfel, Trauben, die vergoldeten Nüsse, die er an der Decke aufhing, und die kleinen Vögel aus geleerten Eiern mit Schnäbeln und Flügeln aus Goldpapier. Wiederholt berührten sich ihre Hände und jedesmal wurde das hübsche Mädchen roth.
Nachdem auch der Palmenzweig Lulaf und der Zedruch, der Paradiesapfel im grünen Reissig untergebracht waren, wurde in der Mitte der Decke der Mogan Doved, der Schild David's, mit kleinen Nägeln befestigt.
Aus vergoldeten Stäbchen bildete Martin eine Triangel und schlug dann in der Mitte desselben einen Haken ein, an dem die siebenarmige Lampe aufgehängt wurde.
»Nun das Letzte,« sprach Deborah und lachte ihn mit ihren Kinderaugen an.