»Was meinen Sie?« fragte Martin.
Deborah, welche bisher die Hände auf dem Rücken verborgen hatte, hielt ihm plötzlich eine grosse rothe Zwiebel unter die Nase, die mit Hahnenfedern bespickt war.
»Richtig!« rief Martin, »den Zauber gegen alle bösen Geister dürfen wir ja nicht vergessen.«
Sie hingen die Zwiebel an die Thüre auf und nun waren alle Schaïdim und Massekim von der Schwelle der Laubhütte gebannt.
»Sie müssen uns für recht beschränkt halten,« sagte Deborah, »Sie, der Sie die halbe Welt gesehen haben.«
»Glauben Sie nicht, dass man dort, wo die grossen Wogen des Volkslebens branden, aufgeklärter und glücklicher ist. Der Aberglaube ist unsterblich. Er nimmt immer neue Gestalten an, aber er schwindet niemals. Heute ist er ein religiöser Wahn, morgen ein politischer, übermorgen ein wissenschaftlicher, aber ohne Thorheit kann die Menschheit nicht bestehen.«
»Also thöricht sind wir doch!« rief Deborah und machte eine muthwillige Bewegung, so dass ihr dicker, schwarzer Zopf, mit dem sie spielte, Martin auf die Wange traf. Er zuckte zusammen.
»Habe ich Ihnen wehe gethan?« fragte sie.
»Nein, Sie haben nur eine Art Zauberstab geschwungen,« sagte er lächelnd, »und wenn ich jetzt eine grosse rothe Zwiebel vor mein Herz hängen wollte, dürfte es zu spät sein.«
»Sie Schalk!« rief das Mädchen lachend und traf ihn noch einmal mit dem Zopf, diesmal auf die Nase.