Am ersten Halbfeiertage war Sindel zu einer Whistparthie geladen, und Frau Leonore vertiefte sich in einen Roman von Spielhagen, denn es war ein langweiliger Regentag mit einem bleiernen Himmel, grauen Nebelschleiern und rieselnden Bächen in den Strassen.

Doch Deborah wollte ungestört träumen und hatte sich trotz dem schlechten Wetter in der kleinen Laubhütte ganz behaglich eingerichtet. Sie hatte Bretter über das Dach gelegt und einen Teppich vor die Thüre gehängt, die Lampe angezündet, sich einen Sitz aus Kissen gebildet und sass nun da, die kleinen Füsse auf einem Schemel, in einen Shawl gewickelt und hörte die Tropfen klatschen, sah die kleinen Vögel und Nüsse in der bewegten Luft schaukeln und athmete den feuchten Harzgeruch der Tannenzweige.

Sie erschrak ein wenig, als der Teppich zurückgeschlagen wurde und Martin hereinblickte, aber es war ein freudiger Schreck, der ihre jungen Glieder erbeben machte und sie streckte ihm so herzlich die Hände entgegen, dass auch ein minder Gelehrter verstanden hätte, dass er willkommen war und mehr als das.

»Vergeben Sie meine Kühnheit, Deborah,« begann Martin, indem er eintrat, »aber ich wollte aus Regen, Whist und Spielhagen Vortheil ziehen und ein paar Worte allein mit Ihnen sprechen.«

»Sprechen Sie also.«

»Deborah, ich kann nicht schöne Phrasen machen,« fuhr Martin fort, »wozu auch? Wenn Sie mir gut sind, brauche ich sie nicht, und wenn Sie mich nicht wollen, nutzen sie mir nichts. Ich habe Sie lieb, von Herzen lieb.«

»Und ich … ich will keinen anderen Mann als Sie,« erwiderte Deborah rasch. »Mein Vater wird Schwierigkeiten machen, aber ich habe auch meinen Kopf und ich gebe nicht nach, ehe ich nicht …«