Als die Tafel aufgehoben war, tanzten die Kinder um die Lichter und kamen dann zu den Eltern, um das Hanukageld in Empfang zu nehmen.

Nun kamen noch verschiedene alte Freunde des Hauses an, und bald war alle Welt, Alt und Jung, mit dem Spiel beschäftigt, wie es an diesem Abend Sitte ist. Die Kinder würfelten einige Zeit, dann kam Gustav, der Jüngste, zu Förenskjöld gesprungen und bat ihn, eine Geschichte zu erzählen, eine recht schreckliche von dem endlosen Eismeer, von schwimmenden Gletschern, Eisbären und Nordlicht.

»Wohl ist es Sitte«, sprach Förenskjöld, »an diesem Abend Geschichten zu erzählen, aber nur jüdische Geschichten.«

Gustav bat also um eine solche. Förenskjöld setzte sich zum Kamin, die Kinder umgaben ihn, und Karola trat leise hinter seinen Stuhl und stützte sich auf die Lehne desselben.


Einst fragte eine römische Matrone den Rabbi José be Chalafta, in wie viel Tagen Gott die Welt erschaffen habe?

»In sechs Tagen«, war die Antwort.

Auf eine zweite Frage, was Gott seitdem thue, erwiderte Rabbi José, seine Hauptbeschäftigung bestehe darin, die Menschen durch das Band der Ehe zu vereinen und glücklich zu machen.

Die römische Matrone fand diese Antwort spasshaft und sprach: »Dies soll eine Beschäftigung für einen Gott sein? Ehen zu schliessen ist leicht, ich wette, dass ich das eben so gut kann, wie Dein Gott. Ich habe eine grosse Zahl Sklaven und Sklavinnen und will sie alle in einer Stunde verheirathen, dazu bedarf man keiner göttlichen Macht.«

»Mag sein«, erwiderte der Rabbi, »aber unserem Gott ist es gerade so schwer, wie jedes andere Wunder.«