»Sehr gut,« sagte der Possenreisser, »wenn ich aber etwas später kommen sollte, genieren Sie sich gar nicht, fangen Sie nur an.«
Es kam aber auch eine Zeit schwerer Prüfung für den lustigen Philosophen von Lindenberg.
Der alte Rabbiner, der ihn stets begünstigte, starb und der neue war ein Mann der modernen aufgeklärten Schule. Seine erste That war, den Possenreisser, in dem er ein Stück altjüdischen Vorurtheils sah, zu verbannen. Tigersohn war verzweifelt, er sollte nicht mehr den Hochzeiten beiwohnen, nicht mehr beim Purimfeste seinen Geist leuchten lassen, das war nicht zu ertragen.
Fischele weinte und der Possenreisser schwor dem Mann der neuen Schule Rache.
Als wieder einmal eine Hochzeit gefeiert wurde, meldete der Diener während der Mahlzeit, Tigersohn stehe draussen und bitte vorgelassen zu werden, um eine wichtige, religiöse Frage vortragen zu dürfen.
Der Rabbiner wollte anfangs nicht, da aber die Gäste, welche einen drastischen Scherz des Possenreissers erwarteten, für ihn baten, so gab er endlich die Erlaubniss.
Tigersohn kam hierauf feierlich herein, neigte sich tief vor der Tafelrunde und begann:
»Ich wollte den Herrn Rabbiner bitten, mich durch seine Weisheit zu erleuchten und mir eine kitzliche Frage zu beantworten.«