»Und nimm doch Deinen Mantel ab«, fügte die Kleine hinzu, und schon hatte sie ihm denselben abgenommen und an den grossen Nagel neben dem Ofen gehängt. Wie sie sich aber wieder zu David wendete, stiess sie einen leisen Schrei aus und wich fast erschreckt zurück. Zugleich hatte sich Mutter Rosa erhoben und den jungen Soldaten bei den Schultern genommen.

»David«, rief sie, »Du hast etwas Grosses gethan, das hättest Du doch schreiben müssen. Dein König, der Herr segne ihn! war zufrieden mit Dir. Er hat Dir ein Zeichen seiner Gunst gegeben, ein Zeugniss der Tapferkeit, der Ehre!«

»Sprich, mein Held«, jubelte Abigail, »was hast Du gethan?«

»Nicht viel«, erwiderte David bescheiden, »meine Pflicht. Als die Feinde die Schanzen von Düppel erstiegen, da war die Fahne meines Regimentes in Gefahr. Wir haben sie gerettet, vier Kameraden und ich.«

»Oh! das war schön!« rief das Mädchen.

»Die ganze Khille (Gemeinde) wird stolz sein auf meinen David«, rief die Mutter, und dann berührte ihre zitternde Hand leise das Kreuz auf der Brust des Sohnes und fuhr rasch zurück, als hätte sie zu viel gewagt.


Am nächsten Tage gingen sie alle zusammen in die Synagoge, um Gott zu danken, Mutter Rose, David, Abigail und deren Eltern, der Weinhändler Silberstern und seine Frau.

Es war Sabbath, und die ganze kleine Gemeinde war in dem Tempel versammelt. Als David hereintrat, ging ein Murmeln durch die Reihen der Männer und oben drückte sich mehr als ein schönes Frauengesicht, mehr als ein liebliches Mädchenantlitz an das Gitter, um den prächtigen Soldaten besser sehen zu können.