Der Herbst meldete sich diesmal früh. Die Bäume prangten bereits im Schmuck ihres rothen und gelben Laubes, ein kalter Wind fegte über die Pappeln. Schaaren von Vögeln zogen nach dem Süden und die Meisen nahmen ihren Platz ein. Man sah sie aller Orten und hörte ihren lustigen Pfiff.

Am Tage vor dem Beginn des Laubhüttenfestes trat jedoch die Sonne wieder aus dem grauen Wolkenschleier hervor und Israel konnte sein schönstes Fest mit Ruhe und Freude begehen. Auch Schimmel Knofeles hatte aus hölzernen Latten und Tannenreisig eine Hütte in seinem Garten errichtet. Zebedia fertigte indess aus Eiern, die sie geschickt geleert hatte, und aus farbigem Papier kleine Vögel, und die Kinder klebten Ketten aus Goldpapier. Als die Hütte fertig war, wurden alle diese Dinge in den Zweigen befestigt und mit ihnen auch der Lulaf, die seltsame Frucht und der Zweig, welche das Land der Verheissung, welche das verlorene Paradies in das Gedächtniss zurückrufen sollten.

Dann standen Schimmel und die Seinen vergnügt in der kleinen Hütte, in der sich eine Bank und ein Tischchen befanden und bewunderten das Werk ihrer Hände.

Jedes Glied der Familie brachte täglich einige Stunden des Tages oder der Nacht in der Hütte zu, wie einst das auserwählte Volk während seiner Wanderung in der Wüste. Schimmel sprach hier seine Gebete und las seinen Talmud, die Kinder spielten, Zebedia beschäftigte sich mit einer Stickerei.

Einmal geschah es, dass sie unter Tags unausgesetzt im Gewölbe und in der Küche beschäftigt war. Sie konnte erst ihre Pflicht erfüllen und sich in die Laubhütte begeben, als es Nacht geworden war, und ihr Mann und die Kinder schon schliefen. Die schöne Frau schlüpfte in ihre warme Pelzjacke, setzte sich in das grüne Zelt, lehnte den müden Kopf an den Pfosten und träumte. Es war eine Nacht zum Träumen. Der Mond stand hinter den hohen Pappeln und tauchte das Haus, den Garten, die fernen Felder in einen matten Silberglanz. Der Brunnen, welcher unablässig murmelte, schien Diamanten auszuwerfen. Die Astern und Georginen im Garten flüsterten leise im frischen Nachtwind und aus den Büschen stieg ein feuchter, angenehmer Duft auf.

Plötzlich nahten Schritte auf dem Kieswege. Zebedia schrack zusammen, und sie hatte alle Ursache, denn im nächsten Augenblicke stand der Graf vor ihr.

»Ich muss bitten,« stammelte sie, »was suchen Sie hier – zu dieser Stunde – wenn man Sie sähe …«

»Ich suche Sie, schöne Frau«, sagte der Graf leise, »Ihre Gazellenaugen, Ihre elfenbeinernen Arme, Braut des hohen Liedes.«