»Machen Sie mich nicht unglücklich«, gab die Jüdin bebend zur Antwort, »verlassen Sie mich.«
Der Graf lachte. »Nein, so leicht werden Sie mich nicht los. Sie haben nur die Wahl, meinem Flehen nachzugeben und ihren Ruf zu retten, oder eine Eisstatue zu bleiben und in den Augen der Welt schuldig zu erscheinen. Ich liebe Sie, ich muss Sie besitzen.«
Gorewski warf sich zu ihren Füssen nieder und legte langsam den Arm um sie. Sie wehrte ihn nicht ab, sie lächelte sogar, denn in demselben Augenblick war ihr ein schlauer und lustiger Gedanke gekommen, ein Gedanke so drollig, wie aus den Novellen des Boccaccio oder der galanten Chronik des Brantome.
»Gut«, sprach sie lauernd, »ich will Ihren Bitten nachgeben, wenn Sie mir versprechen, alle Vorsicht zu beobachten, die ich von Ihnen verlange, und mir Ihr Ehrenwort geben, mich unter keinen Umständen zu kompromittiren.«
Der Graf, von der schönen Eroberung entzückt, versprach alles.
»Sobald ich zur Ruhe gegangen bin«, fuhr sie fort, »wird mein Mann noch einmal die Runde durch das Haus machen und dann das Hausthor sperren. Sie treten also mit mir ein, verbergen sich in dem Speisezimmer und warten, bis ich Ihnen ein Zeichen gebe.«
»Ich werde gern gehorchen,« sagte Gorewski.
Zebedia legte hierauf den Finger auf den Mund und gab ihm einen Wink, ihr zu folgen. Sie führte ihn leise in das Haus und in das Speisezimmer, in dem finstere Nacht herrschte. Hier hörte der Graf eine Thüre knarren und dann hiess ihn die schöne Frau eintreten. Da er den Weg nicht sofort fand, drückte sie ihm mit der Hand den Kopf nieder und schob ihn mit der anderen vorwärts. Dann schloss sie eine Thür hinter ihm, schloss sie zu und zog den Schlüssel ab.
Der Graf verhielt sich einige Zeit vollkommen ruhig. Er erwartete, dass Schimmel die Runde machen werde, aber bald hörte er diesen im Nebenzimmer laut schnarchen, und Zebedia kehrte nicht wieder. Leise begann der Unglückliche umherzutasten und entdeckte bald, dass er hinter eisernen Stäben gefangen war. Er wollte Lärm machen, aber das Lächerliche seiner Lage zwang ihn, sich in sein Schicksal zu ergeben. Die grausame Tugend hatte ihn überlistet, er war ihr auf Gnade und Ungnade preisgegeben. Sie hatte offenbar die Absicht, ihn die ganze Nacht eingesperrt zu halten, er liess sich also langsam nieder, versuchte sich auszustrecken und fand endlich eine Stellung, in der ihn schliesslich der Schlummer überraschte.