Sie schlang die mit goldenen Reifen bedeckten Arme um ihn und küsste ihn.

Galeb schauerte zusammen. »Verlange mein Leben«, murmelte er, »aber nicht mein Herz. Es ist dort, wo die Mauer des Tempels gegen den Himmel ragt und die Gläubigen an Jehovah mahnt. Ich darf Dich nicht lieben.«

Die Türkin neigte traurig den Kopf, dann richtete sie sich plötzlich auf, verhüllte ihr Antlitz und machte Galeb ein Zeichen, ihr zu folgen. Im Dickicht zeigte sie ihm einen Kahn, in dem ein Ruder lag.

»Wenn Du muthig bist«, sprach sie, »fliehe, rette Dich.«

Galeb kniete vor ihr nieder, presste die Lippen auf ihren kleinen Fuss, sprang in den Kahn und stiess ab.

Noch lange sah man die Türkin am Ufer stehen und mit ihrem Schleier winken. Dann verschwamm alles in der silbernen Dämmerung des Mondes, das schöne Weib, die Bäume, das Landhaus, und ringsum war nichts als das Meer und der leuchtende Himmel.


Ein englisches Schiff hatte den Pilger aufgenommen und in Jaffa an das Land gesetzt.

Von neuem begann die Wanderung auf steinigen Wegen, auf denen die heisse Sonne brütete, durch Kaktusgestrüpp, durch öde, kahle, traurige Felsen, nur selten zeigte sich eine Ortschaft, von Zeit zu Zeit eine Zisterne, an welcher der Pilger seinen Durst löschen konnte.

Das Fieber brannte in seinen Adern, seine Kräfte liessen nach, aber er ging trotzdem vorwärts. Er hatte nicht den Muth, lange zu rasten, er fürchtete einzuschlafen und nicht mehr zu erwachen, aber er hatte den Muth, der Sonnengluth Trotz zu bieten, dem Hunger, dem Durst, der Erschöpfung.