Man feierte deshalb die Hochzeit am Abend. Nachdem die beiden Bräute von ihrer Mutter und ihren Cousinen angezogen worden waren, traten sie beide in den Salon hinaus, beide in schleppender weisser Atlasrobe, einen Orangenblüthenkranz auf dem Kopf, einen kleinen Strauss in der Hand. Sofort wurden sie von ihren Freundinnen und den Mädchen aus ihrer Verwandtschaft umringt und nahmen von ihnen Abschied unter Küssen und Thränen. Zuletzt nahm Bele ihren Brautkranz ab und gab ihn der jüngsten unter den Mädchen, Sorl van Ruben, und Slobe den ihren Katalin Meerboom.

Dann begaben sich die beiden Bräute in das Nebenzimmer, wo die älteren Verwandten versammelt waren. Sie knieten eine nach der anderen vor ihren Eltern nieder, baten sie um Vergebung und empfingen deren Segen.

Hierauf beteten sie einige Zeit aus der Thina.

Nach beendetem Gebet erschienen wieder die jungen Mädchen und führten die beiden Bräute zu dem Bedeckstuhl. Nachdem die Schwestern auf dem erhöhten Sitz, wie auf einem Throne Platz genommen hatten, trat der Rabbiner ein. Er warf zuerst Bele ein mit Gold verbrämtes Seidentuch, das sogenannte Decktuch über den Kopf und sprach: »Gelobt seist Du, Gott, unser Herr, Herr der Welt, der Du gebildet den Menschen nach Deinem Ebenbild, Du hast aus ihm geschaffen einen Bau für die Ewigkeit. Und so sei denn die Pessula (Jungfrau) Bele geweiht dem Ehestande. Werde wie eine Rebe, blühend in Deinem Hause, und Deine Kinder mögen Dich umgeben wie Oelzweige. So behüte Dich Gott und segne Dich. Gott gebe Dir den Frieden. Amen!«

Dieselbe Zeremonie wiederholte sich bei Slobe, dann banden die Brautjungfern beiden das Tuch in Form eines Turbans und während alle Verwandten und Gäste sie umgaben, trat der Narr vor und begann sein Lied.

Er sang eine Art Chronik aller drei betheiligten Familien und zugleich einen Lobgesang auf die Eltern, dann schilderte er das Leben der beiden Bräute und pries ihre Schönheit und Geistesgaben. Er verglich die schöne Bele mit der goldhaarigen Sulamith des hohen Liedes, die sich wie Morgenroth aus den Wolken erhebt und Slobe mit der Königin Esther, zu deren Füssen der mächtigste Herrscher lag. Er sprach von der Ehe, ihren Freuden und Pflichten und pries zuletzt die Frauen, indem er Sprüche des Talmud in seine Reime verwob.

Drei Dinge erheitern das Herz im Leib,
Eines davon ist das schöne Weib.

Wer ohne Weib lebt auf Erden,
Verdient nicht Mensch genannt zu werden.

Bereite Deinem Weib Vergnügen,
Sie hilft Dir ernten und pflügen.