Frau Leopard.

– POLEN. –

Jüdische Justiz. – Beschdin. – Der Rosche.

Die kleine Stadt Zamosta an der Weichsel war vorwiegend von Juden bewohnt. Die wenigen Christen lebten in bester Eintracht mit denselben, nur einer unter ihnen war ein grimmiger Judenfeind, was die polnischen Juden einen »Rosche« nennen. Er war ein Beamter des Magistrats Agenor Koscieloski. Er neckte und verfolgte die Juden, wo sich nur eine Gelegenheit dazu ergab und wurde von allen gefürchtet und gehasst.

Begegnete er einem jungen Elegant im schwarzen Atlastalar, der sich seiner schönen Schmachtlöckchen freute, fragte er ihn ernsthaft, ob er Korkzieher zu verkaufen habe.

Nie konnte er einer Butka, einem jener mit Leinwand gedeckten langen Wagen begegnen, in denen die polnischen Juden wie Heringe zusammengepfercht sitzen, ohne dass er die Insassen derselben laut, mit dem Finger auf sie deutend, zu zählen begann. Vergebens jammerten die Unglücklichen, welche sich bereits sämmtlich dem Schwerte des Todesengels verfallen sahen[2], vergebens schrieen sie ihm die lächerlichsten Schimpfworte, die schrecklichsten Flüche zu, er hörte nicht auf, ehe er nicht seine Unthat vollendet hatte.

Traf er auf der Strasse einen Handelsjuden, Schnorrer oder Fuhrmann, der neben seinen Pferden herging, so richtete er gewiss an ihn die freundliche Frage: »Was thut sich in Pintschew?« und der Jude spuckte wüthend aus, antwortete aber gewissenhaft: »Es tugt.«[3]