Diese Scherze waren am Ende noch unschuldig, aber er that andere Dinge, die weniger unschuldig waren.
Niemand liebte den Rosche, aber mehr als alle hasste ihn Frau Leopard, eine junge hübsche Wittwe, die gut erzogen, gebildet und ziemlich aufgeklärt, aber trotzdem eine gute Jüdin war und jede Beleidigung ihres Stammes zugleich als eine persönliche auffasste. Sie hatte ihm Rache geschworen und wartete nur auf eine günstige Gelegenheit um Koscieloski empfindlich zu bestrafen.
Ein junger, hübscher Kaufmann, David Zadokin, bewarb sich schon seit längerer Zeit um ihre Hand. Sie begünstigte ihn unter allen ihren Bewerbern, aber zögerte noch, das entscheidende Wort auszusprechen.
Um sie vollends zu besiegen, sprach Zadokin die Absicht aus, den Rosche herauszufordern, doch als Frau Leopard es erfuhr, verbot sie ihm das Duell. »Ich selbst will ihn züchtigen«, sagte sie, »und in einer Weise, die ihn für immer unschädlich macht.«
Koscieloski wohnte bei einem jüdischen Schneider, Oser Weinstock, der auch für Frau Leopard arbeitete. Die hübsche Wittwe hatte den Schneider stets zu sich beschieden, kam aber jetzt jedesmal, wenn es etwas Neues zu bestellen oder anzuprobiren gab, zu ihm. Sie berechnete schlau die Wirkung ihrer Reize auf den Judenfeind. Als dieser ihr das erste mal auf der Treppe begegnete, sah er sie starr an, das zweite mal, wo er sie im Hausthor traf, grüsste er sie bereits, das dritte mal kam sie, um ein Kleid zu probiren.
»Ich wette, Herr Koscieloski blickt durch das Schlüsselloch«, flüsterte der Schneider, indem er pfiffig mit den Augen zwinkerte, »er sagte mir erst gestern, Sie wären die schönste Dame in Zamosta.«
»Um so besser«, erwiderte Frau Leopard und beeilte sich ihre Jacke und Taille abzulegen. Als sie dann Büste und Arme entblösst, vor Weinstock stand, der die neue Taille probirte und mit Nadeln und Kreide arrangirte, blickte sie unwillkürlich nach der Thüre, hinter der in der That Koscieloski stand, und ein boshaftes Lächeln spielte um ihre rothen Lippen.
Als sie fort war, nahm der Rosche seinen Hut und rannte hinaus in das Freie. Die Waldluft, die Ruhe der Felder, besänftigte etwas sein Blut, als er aber in die Stadt zurückkehrte, zog es ihn doch wieder zu dem Hause der hübschen Jüdin hin. Er stand lange auf der Strasse in einem dunklen Winkel und war zufrieden, als er einmal ihre Hände über die Tasten des Pianos hingleiten hörte und zweimal ihren Schatten an der hellen Gardine vorüberschweben sah.
Nachdem er einige Zeit gekämpft hatte, sagte er sich eines Tages, dass er sterblich in dieses Weib, die Tochter einer verhassten Rasse, verliebt sei, und dass ihm nichts übrig bleibe, als sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen, oder sich dem schönen Satan zu ergeben.
Koscieloski zog das letztere vor.