»Ich bin doch eine Jüdin, Herr Koscieloski.«

»Das ist kein Hinderniss, sobald Sie meinen Wünschen Gehör schenken.«

»Wir wollen sehen«, sprach sie immer liebenswürdig und kokett, »aber ich muss Sie doch erst kennen lernen.«

»Gestatten Sie mir also, Sie zu besuchen?«

»Gewiss, mit Vergnügen.«

Koscieloski küsste der hübschen Jüdin galant die Hand und verliess sie für diesmal, kam aber schon am folgenden Vormittag, um ihr seine erste Visite zu machen und erschien dann jeden Abend in ihrem Laden oder in ihrem kleinen Salon, um mit ihr zu plaudern und ihr feurig den Hof zu machen.

Es gab jedesmal eine lebhafte Diskussion zwischen ihnen. Frau Leopard warf ihm seine Feindschaft gegen die Juden vor und er vertheidigte sich so gut er konnte, musste aber jedesmal vor der geistreichen und schlagfertigen Jüdin die Waffen strecken.

Als letzte Karte spielte er Shakespeares Shylock aus.

Frau Leopard begann laut zu lachen: »Sie wissen also nicht«, rief sie, »was der italienische Historiker Lotti in seinem Leben Syxtus V. erzählt? Im 16. Jahrhundert fand in Rom zwischen einem Christen, Namens Secchi, und einem Juden, Sansone Ceneda, eine Wette statt. Der Christ setzte hundert Scudi ein und verlangte vom Juden als Einsatz ein Pfund von dessen Fleische. Der Christ gewann die Wette und forderte sein Fleisch, aber der erleuchtete Papst gab ihm unrecht und verwies Beide aus Rom. Es gab also wirklich einen Shylock, aber er war ein Christ und hiess Paolo Marini Secchi.«

Koscieloski war vollständig besiegt, er ergab sich und bat um Gnade, die ihm zum Schein von dem schlauen Weibe gewährt wurde. Sie versprach, sich taufen zu lassen und ihm ihre Hand zu reichen, wogegen der Rosche sein Ehrenwort gab, die ganze Sache vorläufig mit dem strengsten Stillschweigen zu behandeln, um nicht vorzeitig die ganze Familie der Frau Leopard gegen dieselbe aufzuregen. Im Rausche des Liebesglückes sank Koscieloski zu den Füssen der reizenden Jüdin und empfing den ersten Kuss von ihren duftigen Lippen. Dann hiess sie ihn gehen, und als er draussen war, drohte sie ihm mit der geballten Faust und murmelte: »Jetzt habe ich Dich und will Dich belohnen, wie Du es verdienst, verliebter Thor!«