»Gott hat die Welt erschaffen aus Nichts«, erwiderte Weinstock. »Das ist wahr, aber Gott selbst hat müssen Felle nehmen, um Adam und Eva Röcke anzufertigen, nachdem er sie aus dem Paradies verjagt hatte. Und ich soll Kleider machen aus Nichts? Ich kann nicht eine Robe machen aus Feigenblättern und einen Pelz aus Spinnweben fertigen.«

»So bezahlen Sie Jedem etwas in Raten«, schlug Reb Baruch vor.

»Es ist doch alles eins«, erwiderte Weinstock, »ob ich die Raten schuldig bleibe oder das Ganze.«

Der Beschdin erwies sich diesem furchtsamen, demüthigen Menschen gegenüber, der keiner Frage, keinem Vorwurf, keinem Vorschlag Stand hielt, ohnmächtig und begnügte sich schliesslich damit, die Forderungen anzuerkennen und Oser Weinstock zu verurtheilen, als dieser sich aber durch ein Hinterpförtchen verloren hatte, sprach Rabbi Lewensohn: »Ihr bekommt doch alle zusammen keine Kopeke von ihm, und da Ihr doch nicht das Herz haben werdet, einen Juden bei Gericht zu verklagen, ihn zu pfänden, ihm das Letzte zu nehmen …«

»Nein, nein«, riefen alle.

»So gebe ich Euch einen Rath. – Prügelt ihn einmal tüchtig durch, das ist noch das Beste, aber so, dass die Behörde nichts davon erfährt und nicht gegen Euch einschreiten kann.«

»Ja, ja!« rief der Chor und alle zusammen zogen in die Schenke des Strohsack, wo sie sich Muth tranken und Kriegsrath hielten.

Nun lauerten jeden Abend an der Strassenecke sieben dunkle Gestalten, aber die hübsche, derbe Lidde schwang umsonst ihren Ochsenziemer mit wilder Grazie, Oser Weinstock war schlau wie ein Fuchs, und seine Gläubiger gaben endlich alle Hoffnung auf, ihm jemals den Pelz bläuen zu können.


Da hörte Frau Leopard von dem homerischen Streit und sofort entwickelte sie ihrem Anbeter, dem jungen Kaufmann Zadokin, einen schlauen, köstlichen Plan, welcher sie endlich zum Ziele führen und den ahnungslosen Rosche ihrer Rache preisgeben sollte.