Koscieloski erlangte für fünf Rubel leicht ein vollständiges Einverständniss mit Weinstock. Dieser gab ihm seine Kleider und Punkt neun Uhr trat der Rosche im jüdischen Kaftan, die Jarmurka auf dem Kopfe, das Gesicht durch einen röthlichen Bart und Löckchen entstellt, die Kazabaika auf dem Arme, in das Ankleidezimmer der hübschen Jüdin.
Indess hatte Zadokin sich gleichfalls vermummt und den Gläubigern des Schneiders im Vertrauen mitgetheilt, dass Oser Weinstock um neun Uhr bei Frau Leopard sein werde.
Die hübsche Jüdin war so vorsichtig gewesen, zwei Freundinnen, Frau Salon und Frau Abrahamowitsch, einzuladen. Ihre Anwesenheit zwang Koscieloski, in der Rolle zu bleiben. Die beiden Frauen bewunderten erst einige Zeit die prächtige Pelzjacke, dann schlüpfte Frau Leopard mit Hilfe Koscieloski's in dieselbe und trat vor den grossen Spiegel. Oh! sie war schön in dieser Kazabaika von purpurrothem Sammt, ausgeschlagen und gefüttert mit Hermelin, der sich so weich an ihren schlanken Leib schmiegte. Koscieloski sah nur den Hals, um den die zarten Härchen spielten, die Hüften, die sich in dem schwellenden Pelzwerk abzeichneten, und bemerkte nicht, was hinter ihm vorging. Zadokin hatte leise die Thüre geöffnet und die Gläubiger des Schneiders waren auf den Fussspitzen hereingeschlichen.
Plötzlich fasste Haim den Rosche beim Kragen und zugleich traf ihn die kräftige Lidde mit dem Ochsenziemer. Alle schrieen zugleich: »Haben wir Dich endlich, Schneiderseele!« und Lidde fügte hinzu: »Da Du nicht bezahlen willst, wollen wir Dir auf dem Rücken quittiren!« Während es von allen Seiten Hiebe auf den verrathenen und betrogenen Koscieloski regnete, stand Frau Leopard, den Rücken an den grossen Ofen gelehnt, die Hände in den pelzgefütterten Aermeln versteckt, ruhig und behaglich da.
Sie sah mit grausamem Vergnügen zu, wie sich der Unglückliche unter der Hundepeitsche ihres Anbeters, unter dem Ochsenziemer der erbosten Lidde, dem rothen Regenschirm der alten Chave, unter den Stöcken des Fleischers, des Bäckers, des Kaufmanns, des Kürschners und des Kurzwaarenhändlers wand. Ja, von Zeit zu Zeit rief sie: »Schont ihn nicht, besser! besser! keine Gnade!«
Zuletzt flog der arme Rosche die Treppe hinab und zur Hausthüre, bis auf die Strasse hinaus, von ihrem spöttischen Lachen verfolgt.
Koscieloski hatte sofort begriffen, dass die schlaue Jüdin ihn in eine Falle gelockt hatte, aber er hatte sich in demselben Augenblick gesagt, dass er die Rolle des Schneiders zu Ende spielen müsse, wenn er nicht vor der ganzen Stadt lächerlich werden, ja sogar sein Amt verlieren wolle.
Er liess sich geduldig durchbläuen und die Treppe hinabwerfen, blieb einen Tag im Bett und ging dann wieder in das Bureau, als ob nichts geschehen wäre. Alle an diesem grausamen Spass Betheiligten hatten Ursache, darüber zu schweigen, umsomehr, als Koscieloski von seinem Judenhass geheilt schien und fortan den Juden, noch mehr aber den Jüdinnen aus dem Wege ging.
Frau Leopard wollte jedoch die Wollust gesättigter Rache bis zur Neige geniessen. Eines Tages bekam Koscieloski ein parfümirtes Billet. Es war die Einladung zu der Hochzeit der reizenden Wittwe mit David Zadokin.