Kaleb hatte keine bösen Eigenschaften, er hatte nur einen Fehler: er war unglaublich eitel auf sein Aeusseres, und auch das war vielleicht nicht sein Fehler. Man hatte ihm unablässig gesagt, dass er schön sei, man hatte ihn erst wie ein Mädchen, dann wie einen Prinzen angezogen, man fand keine noch so schöne und prächtige Rose des Prager Ghettos würdig, seine Hand zu besitzen, und so war er endlich geworden, was er war: der schöne Kaleb, wie ihn spöttisch die gebildeten Juden nannten, ein »Purez«, ein Geck, nach den Begriffen der armen Hebräer im schäbigen Kaftan.

Der schöne Kaleb hatte weder etwas gelernt, noch betrieb er irgend ein Geschäft, er spazierte den ganzen Tag in den Strassen von Prag herum und erwartete die schöne und reiche Braut, die eines Tages vom Himmel, wo die Ehen nach Ansicht der Talmudisten geschlossen werden, vor seine Füsse fallen sollte, wie eine reife Frucht.

Aber die Jahre verstrichen und Kaleb hatte noch immer keine Stellung, kein eigenes Einkommen und keine Frau.

Da erschien eines Tages Treitel, der berühmte Schadchen, bei ihm und bot ihm seinen Beistand an, den Kaleb mit einem spöttischen Lächeln ablehnte. Dies war dem kleinen Treitel noch nie geschehen. Er richtete sich in seiner ganzen Grösse auf den Fussspitzen auf, erhob drohend den Finger und sprach: »Junger Mensch! ohne Schadchen bekommen Sie keine Frau, so wahr ich Treitel heisse, der liebe Gott kennt mich und weiss, was er von mir zu halten hat, sonst hätt' er mir nicht anvertraut das Geschäft hier auf Erden. Aber wenn Sie schon wollen suchen eine Frau ohne Treitel, so geb' ich Ihnen einen Rath: Verstecken Sie doch vor allem Ihre krummen Beine.«

Treitel verschwand und Kaleb blieb versteinert mitten in der Stube stehen. Hatte er wirklich krumme Beine? Noch wollte er es nicht glauben. Zögernd trat er vor den grossen Spiegel und betrachtete sein Ebenbild, dann sank er vernichtet auf einen Stuhl.

Ja, er hatte krumme Beine, er, der Adonis der Prager Judenstadt, er, der sich für schön und unwiderstehlich hielt, dem das beste jüdische Mädchen zu gering war, der seine Hand nach den Komtessen und Prinzessinnen des böhmischen Adels ausstreckte, es war einfach schrecklich.

Wieder trat er an den Spiegel und prüfte sich und dachte nach, und endlich fand er, wie eine eitle Frau, die sich die ersten Runzeln mit Hilfe der Schminke wegzaubert, ein Mittel, den Fehler, der ihn so namenlos unglücklich machte, zu verbergen.