Er begab sich zu seinem Schneider, machte verschiedene Bestellungen und kehrte dann beruhigt zurück. Seine Freunde staunten, als er sich wieder unter ihnen zeigte, denn er trug fortan nur noch ganz lange Röcke, die fast bis zu den Knöcheln reichten und einen langen, faltigen Paletot von schwarzem Tuch, der ihm im Verein mit einem breitkrämpigen Hut, das Ansehen eines Künstlers gab. Zu Hause fanden ihn Mutter, Tanten und Cousinen jetzt noch schöner und poetischer, denn hier hüllte er sich im Sommer in eine Art weissen arabischen Burnus und im Winter in einen langen Schlafpelz im Style des Doktor Faust.
Nun glaubte er wieder an seinen Stern, nun war er wieder überzeugt, dass alle Frauen ihm entgegen schmachteten, dass alle Mädchen von ihm träumten, und dass alle Eltern ihn mit Sehnsucht als Freier erwarteten. In jedem Zufall sah er einen Wink des Schicksals, in dem unbedeutendsten Vorfalle geheimnissvolle Zeichen, die er stets mit der Dame, für die er gerade schwärmte, in Beziehung brachte. Er hatte schon eine ganze Reihe von Romanen erlebt, aber alle nur in seiner Phantasie, er war glücklich ohne Grund, er kämpfte ohne Grund, und er litt und trauerte ohne Grund.
Jeden Sonntag stand er an der Thüre der katholischen Domkirche und liess nach der Messe die aristokratischen Damen Revue passiren. Einmal, ein einziges mal, sah ihn die Tochter des Generals Rothfeld an, vielleicht weil er wirklich einen schönen Kopf hatte. Sofort war er überzeugt, dass sie ihn liebe und verfolgte sie auf Schritt und Tritt. So oft er dem General begegnete, grüsste er ihn respektvoll.
Als eines Tages der General seine Cigarre anzünden wollte und ihn um Feuer bat, schloss er sich ihm an, und begann ein Gespräch über Theater, Litteratur, Politik, das kein Ende nahm.
Der General wurde endlich ungeduldig. Kaleb empfahl sich, erzählte aber den Vorfall seiner Mutter, mit der Bemerkung: »Jetzt ist alles verloren, der General ist beleidigt, weil ich mich nicht erklärt habe.«
Einige Tage später las er in der »Bohemia«, dass die schöne Tochter des Generals mit einem Obersten verlobt sei. »Ich wusste es«, murmelte er, »ich habe sie unglücklich gemacht. Oh! meine Unentschlossenheit.«
In einer Loge des deutschen Theaters sah er die reizende Comtesse Waldstein. Neben ihm sass ein junger Offizier, den die Comtesse durch das Opernglas ansah. Natürlich galt dies ihm, dem schönen Kaleb.
Er war nun überall zu sehen, wo die Comtesse erschien, in jedem Concert, auf jedem öffentlichen Ball, auf dem Eisplatz und in der Kirche. Eines Tages sah er ihren Vater, den Grafen, der von der Jagd heimkehrte und einen grünen Tannenzweig auf dem Hute trug. »Er wollte mir damit andeuten«, sagte er zu einem seiner vertrauten Freunde, »dass ich hoffen dürfe.«