Doch die »Bohemia« schnitt wieder mit einer grausamen Notiz den Faden seiner Einbildungen ab. Die Comtesse Waldstein verlobte sich gleichfalls. In einem Kaffeehause erzählten die Freunde des schönen Kaleb, dass die Comtesse nur gezwungen ihre Einwilligung gegeben habe und dass sie ihr Herz einem armen Baron geschenkt habe, den ihre Eltern nicht zum Eidam haben wollten.

Da richtete sich der schöne Kaleb stolz auf und sprach mit leuchtenden Augen: »Der arme Baron bin ich.«

Jedes Inserat, das Liebende, das galante Frauen mit ihren Anbetern wechselten, wie es in Oesterreich Mode ist, bezog Kaleb auf sich. Er antwortete jedesmal, rief unglaubliche Verwirrungen hervor und gab diese Art von Sport erst auf, als eines Tages eine verschleierte Dame zu ihm kam und ihn mit der Reitpeitsche bedrohte und ein Husarenoffizier ihn im Kaffeehause bei den Ohren nehmen wollte.

Die Dame war die Baronin Divin, welche er durch seine Inserate fast mit ihrem Anbeter, dem Rittmeister Legedy, entzweit hatte.

Da er selbst nichts verdiente, nahm er bald seine Mutter, bald eine seiner Tanten, bald seinen Bruder Nathan in Anspruch. Wenn der Letztere ihm Vorstellungen machte, gab er verächtlich zur Antwort: »Ich werde alles zurückzahlen, sobald ich eine reiche Heirath mache.«

Diese reiche Heirath war seine fixe Idee, und es war natürlich, dass die Leute des Ghetto endlich die Köpfe schüttelten und sich zuflüsterten: »Er ist meschugge.«


Mehr und mehr wurde der schöne Kaleb von seinen Gläubigern bedrängt und gequält, denn er lebte wirklich wie ein Baron, und endlich konnte die Mutter nichts mehr geben und der Bruder wollte nichts mehr geben.

Da erschien wieder Treitel, der Schadchen auf dem Schauplatz.